Erstellt 25.08.08, 20:58h
Zum Aufgabengebiet gehören ebenso Fortbildung für Lehrer - etwa Projektarbeit in Schulen - und Elternberatung. Bei Suiziden oder tödlichen Unfällen von Schülern werden die Experten zur Aufarbeitung des Erlebten in die Klassen gerufen.
Diplompsychologe Stefan Drewes ist einer von 266 Psychologinnen und Psychologen, die in den Schulpsychologischen Beratungsstellen der nordrhein-westfälischen Städte und Kreise aktiv sind. Sie sollen rund 2,86 Millionen Schüler betreuen, die die 6688 Schulen des Landes besuchen. Beratungsanspruch haben aber auch die mehr als 170 000 Lehrerinnen und Lehrer. Konrad Großmann, Rektor eines Düsseldorfer Gymnasiums mit knapp 800 Schülern, nimmt das Angebot auch gern an: „Es ist selbstverständlich, dass wir uns professionelle Hilfe holen, bevor wir mit einem Problem in der Sackgasse landen.“
Drewes, der auch Vorsitzender der Sektion Schulpsychologie im Berufsverband Deutsche Psychologinnen und Psychologen ist, betont das krasse Missverhältnis. Rein rechnerisch sei ein Kollege für mehr als 10 000 Schüler und rund 660 Lehrer zuständig: „Wir können nur zwei Prozent der Schüler in eine Einzelfallberatung nehmen. Der Bedarf ist aber erheblich höher. Dazu kommen noch die vielen Lehrer mit Beratungsbedarf.“
Auch Renate Boese, Fachfrau für Arbeits- und Gesundheitsschutz bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft NRW, formuliert deutlich: „Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist die Zahl der Schulpsychologen ein Witz.“ Martin Depenbrock, Vorsitzender der Landeselternschaft der Grundschulen, findet die Zahl der professionellen Helfer ebenfalls zu knapp. „Der Druck auf Schüler, Lehrer und Eltern ist in den letzten Jahren generell gewachsen“, sagt der Vater von vier Söhnen.
Mobbing im Chat, Beleidigungen per SMS
Mit den teils gravierenden Änderungen im Schulalltag hat sich auch ein Wandel bei den Beratungsthemen vollzogen. Neben Klassikern wie der Lese-Rechtschreib-Schwäche und dem bis in die Beratungsstellen getragenen Disput zwischen Eltern und Lehrern um die richtige Schulform beobachtet Drewes ganz neue Problemfelder: „Mobbing im Internet-Chat, Beleidigungen per SMS und Drohanrufe über das Handy sind keine Seltenheit mehr. Insgesamt ist das Sozialverhalten der Schüler deutlich schlechter geworden.“ Nicht nur deshalb hofft Drewes, dass durch Schaffung neuer Stellen das Verhältnis Psychologen-Schüler künftig auf 1 zu 5000 gesenkt werden kann. (dpa)
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