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„Windel-Curriculum”

Kinder sollen früh Musik lieben

Von Jochen Wittmann, 01.09.08, 22:20h, aktualisiert 01.09.08, 22:28h

Ab sofort ist das Kinderleben in England noch ein Stück härter geworden. Die britische Regierung hat ein nationales Curriculum für Kinder von der Geburt bis zum Alter von fünf Jahren eingeführt.

Musik kinder
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Den britischen Kindern soll schon früh Musik nahegebracht werden. (Symbolbild: dpa)
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Den britischen Kindern soll schon früh Musik nahegebracht werden. (Symbolbild: dpa)
LONDON - Die „Early Years Foundation Stage“ (EYFS) beschreibt minutiös die Bildungsanforderungen, die die rund 25 000 staatlichen Kindergärten, privaten Krippen und Tagesmütter im Land fortan zu beachten haben. Gegner befürchten, dass das „Windel-Curriculum“ zu einem unangebrachten, weil völlig verfrühten Leistungsdruck für den Nachwuchs führt.

Immerhin verlangen die neuen Richtlinien viel: Insgesamt 69 „frühe Lernziele“ und mehr als 500 „Fähigkeiten und Einstellungen“ werden da von jedem Kind vor dem Erreichen des fünften Geburtstages erwartet. Da kommt einiges auf die lieben Kleinen zu. Noch bevor sie 11 Monate alt sind, sollen sie gelernt haben, mit den eigenen Zehen zu spielen. Im Alter von 16 Monaten sind sie gehalten, Musik zu genießen und erste Tanzbewegungen zu üben. Wenn sie die Zweijahresschwelle erreicht haben, wird erwartet, dass sie schon so ungefähr verstehen, was die Zahlen eins und zwei bedeuten. Und als Fünfjährige sollen sie wissen, was falsch und was richtig ist, ihren eigenen Namen schreiben können und ein erstes Verständnis von Interpunktion erworben haben.

Britische Kinder haben es schon jetzt nicht leicht. Viele besuchen schon den Kindergarten, bevor sie ein Jahr alt sind, weil beide Eltern arbeiten gehen. Mit vier beginnt generell die Vorschule, und die dauert auch für sie, wie bei den Älteren, von neun bis drei Uhr nachmittags. Und demnächst soll der Schultag noch länger werden. Die Regierung will die schulische Rundumversorgung bereitstellen mit AGs und Lehrerbetreuung nach Unterrichtsschluss: Dann können die Schüler sogar bis 18 Uhr dableiben und den Eltern erlauben, das Bruttosozialprodukt zu vermehren. Denn die Briten arbeiten unter allen Europäern die meisten Stunden in der Woche.

Allerdings ist der jüngste Vorstoß, künftig auch Lehrpläne für die Allerjüngsten einzuführen, auf heftige Kritik seitens privater Kinderkrippen und Elternverbänden gestoßen. „Es ist wirklich traurig“, kommentiert Elternsprecherin Margaret Morrissey, „dass wir jetzt einen Punkt erreicht haben, wo wir den Stress für die Kinder erhöhen statt zu senken.“



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