Erstellt 02.09.08, 21:42h
Ich habe mich einfach gefreut, den ersten Platz gehalten zu haben. Wenn man als Erstplatzierte in den abschließenden 3000-Meter-Lauf geht, ist es als Gejagte sehr viel schwerer, vorne zu bleiben. Als dann auf den letzten 1000 Metern absehbar war, dass ich gewinne, war ich einfach nur erleichtert.
Sonst treten Sie meist nur vor einer Hand voll Leute an. In Peking standen Sie mit einem Schlag im Fokus der Weltöffentlichkeit. Was ist seitdem passiert?
Der Medienrummel hat enorm zugenommen. Schon gleich nach dem Zieleinlauf bei den Olympischen Spielen war das spürbar. Seitdem habe ich viele Interviews gegeben und hatte einige Fernsehauftritte.
Welche Frage wurde Ihnen am häufigsten gestellt?
Wie man sich als Olympiasiegerin fühlt.
Und?
Nicht viel anders als sonst auch. Der normale Alltag geht weiter. Es ist aber schön zu sehen, dass das Interesse um mich herum größer geworden ist. Auf der Straße werde ich jedoch noch nicht erkannt.
Das klingt für eine 22-jährige Goldmedaillengewinnerin recht nüchtern. Ist der Olympiasieg für Sie kein wahr gewordener Traum?
Doch, auf jeden Fall. Ich hatte vorher nie mit dem ersten Platz gerechnet, auch weil beim Fünfkampf im Vorfeld einfach keine Prognose möglich ist. Es hat einfach alles gestimmt.
Ist dieser Erfolg überhaupt noch zu toppen?
Nein. Sportlich sicherlich nicht. Das ist einfach das große Ziel jedes Athleten.
Wie haben Sie die Atmosphäre bei den Spielen empfunden?
Während des Wettkampfes selbst habe ich wenig mitbekommen. Beim Zieleinlauf war es gigantisch. Ansonsten habe ich mich vorher fast nur vorbereitet und vor den Spielen etwas von Land und Leuten gesehen. Die Stimmung im Olympischen Dorf war toll.
Vorher gab es viel Kritik am Gastgeberland China und später auch Protestaktionen in Peking selbst. Wie haben Sie das wahrgenommen?
Vor Ort habe ich nichts mitbekommen. Ich fand es gut, dass im Vorfeld Dinge in den Medien aufgezeigt wurden. Nur darf darunter der Sport nicht leiden oder in den Hintergrund rücken.
Hat man als Athlet etwas von der viel kritisierten chinesischen Zensur mitbekommen?
Ja. Im Olympischen Dorf hatten wir nur Olympia-Fernsehen. Wer seine E-Mails abrufen wollte, musste eine Zustimmung unterschreiben, dass diese vorher kontrolliert und gelesen werden durften. Auch meine Homepage war nicht abrufbar.
Dort präsentieren Sie ihre Disziplin, die in Deutschland eher ein Schattendasein fristet. Erhoffen Sie sich nun einen Schub für den Fünfkampf?
Ja, es hat sich schon etwas verändert. Die Nachwuchstrainer in Berlin haben seit meinem Sieg viele Anfragen von Eltern erhalten, deren Kinder in die Sportart einsteigen wollen. Das ist das Schönste, was passieren kann. Das Problem von Randsportarten ist, dass sich die Talente für die Ausübung eines Berufes entscheiden, da sie auch als erfolgreiche Athleten sonst ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten könnten. Nun gibt es Ansätze, die Sportförderung neu auszurichten, indem man etwa Leistungssport mit beruflicher Ausbildung koordiniert, um junge Sportler zu binden.
Der Fünfkampf steht vor einer Reform - einer sinnvollen?
Das wird sich zeigen, da eine konkrete Entscheidung erst im November fällt. Geplant ist, das Laufen und Schießen zu verbinden wie beim Biathlon.
Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus?
Meine Lebensplanung ging bisher nur bis 2008. Ich muss mich neu orientieren, werde mich aber fit halten und dem Fünfkampf treu bleiben.
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