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Rhein-Sieg

Gartenmöbel flogen durch die Luft

Von THOMAS HEINEMANN, 07.09.08, 21:33h

Der Durchzug einer Kaltfront hat am vergangenen Freitag für ein heftiges Unwetter über dem Siebengebirge und Hennef gesorgt. Zahlreiche Dächer wurden abgedeckt, Bäume und Telefonmasten umgeknickt

Rhein-Sieg - RHEIN-SIEG-KREIS. Das Tief „Mattea“ sorgte am Freitagabend an seiner Kaltfront für eine schmale Gewitterlinie. Diese hatte bereits auf der Rheininsel Grafenwerth, in Bad Honnef und Königswinter schwere Schäden hinterlassen. Dann zog eine große Gewitterfront über das Siebengebirge auf Hennef zu. „Es wurde immer dunkler, fast wie in der Nacht“, berichtete Arnold Leven aus Hennef-Wellesberg. Der 52-jährige Gas-Wasser-Installateur schaute aus dem Fenster und sah eine weiße Wand aus Regen am Horizont auf sich zukommen. „Dann wollte ich im Hof noch schnell den Regengulli freimachen, da ging es auch schon los.“ Plötzlich setzte von einer Sekunde auf die andere starker Wind ein, wirbelte alles durch die Luft, was in der Nähe lag. „Als dann Blumenkübel, Stühle und der große schwere Gartentisch durch die Luft flogen, habe ich hinter einem Brennholzstapel Schutz gesucht.“ Sekunden danach setzte Regen ein. „Wie aus Wasserrohren“, beschreibt der Installateur und ergänzt: „So etwas habe ich in meinem ganzen Leben noch nie erlebt.“

Das bestätigte auch Michael Möllmann aus Wellesberg, der während des Unwetters mit seinem Auto unterwegs war. „Als ob die Feuerwehr mit Schläuchen auf mein Auto gezielt hätte“, habe es geregnet, so der 48-jährige Hennefer. Er wartete das zehnminütige Schauspiel ab, der kräftige Wind habe am Auto gerüttelt und sei ohrenbetäubend laut gewesen.

Nach dem Sturm liefen in der Leitstelle der Feuerwehr die Leitungen heiß. „Da war nur noch besetzt“, erklärte Möllmann, und wurde von Wellesbergern unterbrochen, die bei Möllmanns Hof nach dem Rechten sehen wollten und das Beschriebene bestätigen. „Ich hab nur noch meine Frau und mein Kind an der Hand gepackt und bin in den Keller geflüchtet“, ergänzt ein weiterer Anwohner. Der Hof lag in einer gut 300 Meter breiten Schneise der Verwüstung, die sich von Ittenbach über Oberpleis und Sand nach Wellesberg, Dahlhausen und Kurscheid zog. Vier Nadelbäume, ein jeder über zehn Meter hoch und über 40 Zentimeter dick, hatte der Sturm bei Michael Möllmanns Hof umgeworfen und über hundert Dachziegel von Stall und Wohnhaus weggeweht.

So sah es vielerorts aus. Zahlreiche Dächer in Wellesberg und Sand hatten Schaden genommen oder wurden teilweise abgedeckt. Erst am späten Abend und am Samstagmorgen wurde das volle Ausmaß der Schäden sichtbar. Bei Sand hatte der Sturm den Mast einer Stromoberleitung umgefegt, es kam zu kurzzeitigen Stromausfällen. Unzählige Telefonmasten und Bäume waren abgeknickt worden, kleine Äste und abgewehtes Laub übersäten die Straßen zwischen Hennef und Königswinter. Verschiedene Augenzeugen wollen eine Windhose gesehen haben, die vor dem Starkregen und den Böen aufgetreten sein soll.

Die weiße Regenwand, die mit starkem Wind aus der Gewitterzelle „geflossen“ sei, bezeichnen Unwetterexperten als „nassen Downburst“. Experten gehen derzeit von einem Ereignis der Stärke 2 auf der so genannten Torro-Skala aus. Das entspreche Windgeschwindigkeiten von bis zu 148 Stundenkilometern.



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