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„Ökorausch“

Kissen aus Kronkorken statt Jute

Von JANINA SCHÄBITZ, 14.09.08, 23:40h

Rostige Container und bunte Graffiti umsäumen den Eingang, der auf unebenem Betonboden in einen grauen Raum führt. Die alte Werkshalle auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Ehrenfeld vermittelt eine triste Atmosphäre.

Genau richtig, um mit den bunten Ausstellungsobjekten der „Ökorausch, Messe für Design mit Bewusstsein“ zu kontrastieren. „Ökologisches Design ist zwar auf dem Vormarsch in Deutschland, führt aber im Vergleich zu Großbritannien immer noch ein Nischendasein,“ erläutert Initiatorin Dunja Karabaic. Mit dem Verein „Jack in the Box“ will sie Designern, die auf Nachhaltigkeit ihrer Produkte Wert legen, ein Forum schaffen. 55 Designer und Künstler aus ganz Deutschland, inklusive ein paar spanischer Aussteller, nutzten diese Gelegenheit und feierten am Wochenende die Deutschlandpremiere.

Besonders in der Gestaltung von Taschen scheinen die Designer ihre nachhaltige Kreativität gut ausleben zu können. Von Lastwagenplanen und alten Feuerwehrschläuchen über Kronkorken bis hin zu Schallplatten und Fußbällen reicht die Spanne der Materialien, die die Gestalter für die Trage-, Hand- und Umhängetaschen wiederverwerteten. Eines wurde dem Besucher dabei sehr deutlich demonstriert: Die Zeiten, in denen Jute und Filz ökologisches Design bestimmten, sind vorbei. „Früher gab es den Hippie- und Müsli-Look, jetzt muss etwas anderes her, um der Zielgruppe zu gefallen. Die Produkte müssen cool' sein, sonst bleibt das Ökodesign in seiner Nische stecken,“ appelliert Ursula Tischner von der Kölner Designagentur Econcept.

Neben dem ansprechenden Äußeren sind es vor allem die fairen Produktions- und Handelsbedingungen, die die Lampen, T-Shirts und Möbelstücke aus der Masse hervorstechen lassen. Allerdings schlägt sich das auch auf den Preis nieder. „Die Produkte sind ja nicht teurer, weil sich die Designer bereichern wollen. Es ist unser Anliegen, den ökologischen Lebensstil zu demokratisieren, so dass alle teilhaben können. Und je mehr die Nachfrage steigt, desto günstiger werden die Preise,“ erklärt Initiatorin Karabaic.

„Wir müssen nachhaltiger mit unseren Ressourcen umgehen. Denn wenn jeder so leben wollte wie wir Industrieländer, bräuchten wir vier Erden,“, verdeutlicht Ursula Tischner, warum Konsumenten nach ihrer Ansicht umdenken sollten. Auch 2009 wird die Ökorausch in Köln wieder ihre Pforten öffnen. Hoffentlich wieder ohne erhobenen Zeigefinger, aber mit viel Charme und Witz.



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