Von Thomas Migge, 15.09.08, 21:58h
Ganz so schlimm es ist nun nicht gekommen. Der staatlich kontrollierte ENI-Konzern nahm am Montag seine Drohung eines Lieferstopps zurück, nachdem sich Ministerpräsident Silvio Berlusconi persönlich eingeschaltet hatte. Parallel einigten sich vier von neun Gewerkschaften nach zähen Verhandlungen mit der Investorengruppe CAI auf ein Rahmenabkommen, das die Streichung von 3200 der insgesamt fast 20 000 Stellen vorsieht. Ursprünglich war sogar von bis zu 7000 Jobs weniger die Rede. Geplant ist, dass der Staat die profitablen Alitalia-Teile an diese Gruppe von 16 Unternehmern mit Unterstützung des Luftfahrtunternehmens AirOne für rund 300 Millionen Euro verkauft. Die Investoren sollen die Alitalia nun zunächst mit einer Milliarde Euro unter die Arme greifen.
Doch das Konzept hat Schönheitsfehler - die Alitalia, die seit Jahren mit öffentlichen Mitteln gepäppelt wird, ist noch nicht über den Berg. Denn einerseits sind fünf kleinere Gewerkschaften, die Piloten und Flugbegleiter vertreten, noch nicht an Bord. Zudem spart der Kompromiss das Thema neue Tarifverträge aus, die Lohnkürzungen vorsehen. Die CAI will jetzt mit ihnen weiter verhandeln. Berlusconi hatte die Position der Gewerkschaften bereits als „selbstmörderisch“ bezeichnet.
Die Regierung Berlusconi versprach, sich um die Alitalia-Mitarbeiter, die von dem neuen Unternehmen nicht mehr angestellt werden können, zu kümmern. Sie sollen entweder in Ministerien unterkommen oder Arbeitslosengeld erhalten. Vorgesehen ist auch ein Steuernachlass für jene Firmen, die arbeitslos gewordene Alitalia-Mitarbeiter bei sich unterbringen.
Das kostet den Staat viel Geld - Geld, das im Fall einer angedachten Übernahme der Alitalia durch die französisch-niederländische Air France-KLM nicht verbrannt worden wäre, zumal dieser Investor sogar 1,8 Milliarden Euro einschießen wollte. Doch Berlusconi hatte vor wenigen Monaten diesen von der Vorgängerregierung Romano Prodi favorisierten Verkauf nach der Amtsübernahme als „Ausverkauf nationalen Eigentums betrachtet. Die gravierenden finanziellen Folgen dieses radikalen Kurswechsels muss nun der Steuerzahler tragen.
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