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Schauspiel

Gangster und Gottsucher

Von Reiner Thies, 21.09.08, 23:14h

Im Schauspielstudio Oberberg feierten neun Kurzdramen von Woody Allen Premiere. Regisseur Michael Labs sorgte für geisttreiche Momente, die Philosophie und ihre letzten Fragen waren eine Art rotes Fädchen in der Szenenfolge.

Oberberg - WIEHL. Die Patientin trägt eine schwarze Woody-Allen-Hornbrille. Und ihre Pfleger auch. Die geisteskranke Dame (Angela Harrock) spricht über die Bedeutung der Wäschelisten eines gewissen Herrn Metterling für Rilke, Nietzsche und Lou Andreas-Salomé. Die europäische Hochkultur ist zum Gegenstand des zwanghaften Geredes im Irrenhaus verkommen.

Das ist typisch Woody Allen, wie vieles, was in den neun Kurzdramen zur Sprache kommt, die jetzt im Schau-Spiel-Studio Oberberg Premiere hatten. „Wir du dir, so ich mir“ lautet der selbstzerstörerische Titel der Woody-Allen-Revue. Regie führte Michael Labs (am Premierenabend leider erkrankt: Gute Besserung!), ein altbekanntes Gesicht in der hiesigen Amateurszene, im Hauptberuf aber seit vielen Jahren ein Autor für TV-Comedy. Letzteres tut seiner Regie durchaus gut. Denn dieser Theaterabend hat seine geistreichsten Momente, wenn er richtig albern ist.

Die Philosophie und ihre letzten Fragen sind eine Art rotes Fädchen in der Szenenfolge. Besonders reißfest ist das Fädchen nicht, einen Halt findet daran jedenfalls keine der Figuren. Den Gangster und Gottsucher Kaiser Lupowitz (Roland Gude) rettet seine Knarre, den todgeweihten Fabrikaten Nat Ackermann (Hans-Gerd Pruß) sein Glück beim Kartenspiel. Abraham (Jürgen Lesse) wäre mit Humor besser gefahren als mit Gottesfurcht. Sokrates höchstpersönlich (Christel Freymüller) muss trotz aller Weisheit auch bei Woody Allen dran glauben. Und selbst der Philologieprofessor Sidney Kugelmann (Thomas Knura) findet in der großen Literatur nur vorübergehend Trost.

Die beiden besten Minidramen kommen unmittelbar vor und nach der Pause, in beiden Hauptrollen der gut aufgelegte Roland Gude. Zunächst eine herrlich absurde Version von Graf Draculas Ende, in der wir lernen, dass der Rückzug vom Geschwätz der Welt auch keine Lösung ist. Allein das Eintrittsgeld wert ist dann das Stück „Die Frage“: Diese lautet: „Wie lang sollten die Beine eines Menschen sein?“ US-Präsident Abraham Lincoln weiß eine Antwort, die wiederum wenig philosophisch ist, und gerade deshalb zum Happy End führt: „So lang, dass sie zum Boden reichen.“

Weitere Vorstellungen in der Aula der Grundschule Wiehl sind am 24. September, 15., 17., 18., 22., 25., 29. und 30. Oktober ab 20 Uhr sowie an den Sonntagen 19. und 26. Oktober ab 18 Uhr. Karten unter (0 22 62) 99-285.



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