Von Thomas Migge, 26.09.08, 15:35h
„Auch Vierbeiner halten sich hier gern auf“, meint Mara Fanton, die ein kleines Geschäft für Glaswaren von der Insel Murano betreibt. „Das sind Ratten, hunderte von Ratten“, schimpft sie und berichtet, wie die Tiere sogar manchmal durch ihr Geschäft laufen, „vor allem abends, wenn ich den Lade schließe und weniger Menschen unterwegs sind“. Dann, erzählt sie, „kommen die aus ihren Löchern hervor und machen die Brücke unsicher“.
Auch Touristen beklagen sich immer öfter darüber, dass über die breiten Stufen der eleganten Brücke oft recht dreiste Ratten huschen, die anscheinend vor niemandem Angst haben. Das städtische Reinigungsunternehmen Insula hat bereits Experten dafür abgestellt, um das ganze Ausmaß der Rattenplage auf der berühmten Brücke zu ermitteln. Wahrscheinlich hausen ganze Kolonien in Hohlräumen der auf 6000 Holzpfählen erbauten Brücke.
„Ratten gibt es in so einer Stadt auf dem Wasser überall“, erklärt Massimo Cacciari, Philosoph und linker Bürgermeister von Venedig.
Alle Mittel für
Hochwasserschutz
„Ich glaube, dass die vielen Ratten auf der Brücke die Folge des ungemeinen Ansturms von jährlich rund 20 Millionen Touristen sind, die über die Rialto-Brücke laufen und für deren langsame Zerstörung verantwortlich sind“. Doch leider hat man im Rathaus kein Geld für die Instandhaltung der Brücke. Auch nicht für den Kampf gegen die Tierchen.
„Wir haben kein Geld, weil alles, was bisher in die Pflege der Stadt floss, in das teure und gigantische Projekts ,Moses geht, so der Bürgermeister. „Moses“ ist die weltweit größte Wassersperrenanlage, die in der Lagune vor Venedig errichtet wird und die Stadt vor zukünftigen Hochwassern schützen soll.
Doch in Venedig herrscht nicht nur eine Rattenplage. Die Stadtverwaltung versucht vergeblich, die viel zu vielen Tauben in den Griff zu bekommen, die mit ihrem ätzenden Kot den kostbaren alten Marmor von Palästen und Kirchen zersetzen.
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