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Ein Weltstar ganz ohne Allüren

Von PETER LORBER, 29.09.08, 07:09h

Bereits mit fünf Jahren begann Seth Weinstein mit dem Klavierspiel, drei Jahre später studierte er Komposition. Weitere fünf Jahre danach wurde vom Schulorchester sein erstes...

SIEGBURG. Bereits mit fünf Jahren begann Seth Weinstein mit dem Klavierspiel, drei Jahre später studierte er Komposition. Weitere fünf Jahre danach wurde vom Schulorchester sein erstes Orchesterwerk uraufgeführt. Die Karriere des Amerikaners war vorgezeichnet, es folgten der Universitätsabschluss mit Auszeichnung an der Harvard Universität, wo er bei einem Ivan Tcherepnin in die hohen Sphären der Musik eingeweiht wurde.

Am Freitagabend gewährte der Weltstar im Stadtmuseum Einblicke in sein virtuoses Können, aber ohne jeglichen Anflug von Allüren. Im Gegenteil, der Kontakt zu den Gästen in der Aula schien ihm überaus wichtig und stets hatte er während seiner komplexen Performance Zeit für Blickkontakt und einige Lächeln. Sehr zur Freude des Gastgebers, dem Förderverein der Gedenkstätte Landjuden an der Sieg und der Vizelandrätin Uta Gräfin Strachwitz, die eingangs die Bedeutung der Musik für das Miteinander der Menschen reflektierte.

Im Mittelpunkt von Weinsteins Konzert standen seine beiden Kompositionen „Conversations“ und die „Chagall Suite“. Während erstere alle Facetten der Kommunikation beleuchtete und gleichermaßen laut, zart, verträumt und impulsiv daher kam, malte er in der Suite Themen klangtechnisch, die der Weißrusse auch in seinen Werken verarbeitete. Wie im ersten Satz seine Geburtsstadt Vitebsk, in der die Sonne mit einer verträumten Melodie aufgeht, der Tageslauf durch lebhafte Intonation dargestellt und der Abend mit moderatem Spiel beschrieben wird. Am farbenprächtigsten erklang das Thema „Zirkus“, bei dem Weinstein die Assoziationen zu den verschiedenen Tieren, den Clowns und Artisten mit verspielten Dissonanzen, mächtigen Akkorden oder fliegenden Läufen herstellte. Tatsächlich erklang sodann das Thema „Lovers and Flowers“ wie ein Liebeslied, während „Paris“ wie eine Werbemusik über die Seine-Stadt klang, voller Farben, Glanz und Erotik.

Natürlich beherrscht der Amerikaner jüdischer Abstammung das klassische Genre, wie er bei Beethovens herrlicher „Mondscheinsonate“ oder Mozarts leichtlebiger „Jagdsonate“ demonstrierte. Jetzt setzte er seinem gegenständlichen und geradlinigen Spiel immer wieder edle Krönchen aus fulminanten Läufen und kaskadierenden Trillern auf.



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