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Kommentar

Undicht

Von Hartmut Wilmes, 10.10.08, 19:56h

Dass manches Mitglied der Schwedischen Akademie womöglich nicht ganz dicht ist, mutmaßte man ja nicht erst seit gestern. Zuletzt etwa, als Jury-Sprecher Horace Engdahl mal eben Amerikas Literatur pauschal als Massenkultur-verdächtig schmähte.

Dass manches Mitglied der Schwedischen Akademie womöglich nicht ganz dicht ist, mutmaßte man ja nicht erst seit gestern. Zuletzt etwa, als Jury-Sprecher Horace Engdahl mal eben Amerikas Literatur pauschal als Massenkultur-verdächtig schmähte. Nun jedoch macht die noble Rentnerrunde mit einem Leck anderer Art Schlagzeilen: Offenbar ist die Nachricht vom Außenseitersieg des französischen Schriftstellers J.M.G. Le Clézio vorzeitig durchgesickert.

Beim britischen Buchmacher Ladbrokes jedenfalls stiegen eine Tage vor Bekanntgabe des Nobelpreisträgers die Einsätze sprunghaft an, während die Quoten auf einen Sieg von Le Clézio rasant vom 15fachen aufs plötzlich nur noch Doppelte des Einsatzes schrumpften. Das Wettbüro stoppte deshalb kurzerhand das offenbar gezinkte Spiel.

Ähnliche Vorfälle hatte es auch bei den Überraschungssiegern J.M. Coetzee (2003) und Orhan Pamuk (2006) gegeben, so dass Engdahl einräumt: „Das sieht wirklich nicht gut aus.“ Dabei hatte er 2004 stolz verkündet, die Jury mit E-Mail-Verbot und Decknamenzwang für Preisfavoriten abgedichtet zu haben. Ein Trugschluss. „Inkontinenz in unseren eigenen Reihen wäre ungewöhnlich“, kalauert Engdahl nun - was bei einem Juroren-Durchschnittsalter von 72 Jahren wohl schon urologisch anzuzweifeln wäre.

Bleibt also nur: Pampers für alle - oder Waidmannsheil bei der Maulwurfjagd.



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