Von Markus Grabitz, 14.10.08, 21:42h, aktualisiert 15.10.08, 10:11h
Basisszenario
Mit einer Wahrscheinlichkeit von zwei Dritteln gehen die Wirtschaftsforscher dabei davon aus, dass die Wirtschaft nach einem Wachstum von 1,8 Prozent für das Gesamtjahr 2008 - aber einem schlechten dritten und vierten Quartal - 2009 nur um 0,2 Prozent wächst. Die Forscher bezeichnen ihr Basisszenario dabei als „keineswegs optimistisch“.
In diesem Szenario wirke sich die Finanzkrise nicht so kräftig auf die Wirtschaft aus. Die Gründe: Die hiesige, eher auf das traditionelle Geschäft ausgerichtete Bankenlandschaft sei nicht so verletzlich für die Krise, die deutlichen bereits vereinbarten Lohnsteigerungen und der verkraftbare Anstieg bei der Zahl der Arbeitslosen um 350 000 sorgten dafür, dass der private Konsum die Konjunktur stütze. Zudem werde die Inflation wegen sinkender Energiepreise zurückgehen von 2,8 auf 2,3 Prozent.
Risikoszenario
Mit einer Wahrscheinlichkeit von einem Drittel gehen die Forscher im Risikoszenario davon aus, dass die Weltwirtschaft in eine Rezession abrutscht. Diese Entwicklung würde auch die Export orientierte deutsche Wirtschaft treffen. In diesem Szenario werde die hiesige Wirtschaft 2009 sogar um 0,8 Prozent schrumpfen, die Arbeitslosigkeit kräftiger zunehmen und die Quote von derzeit 7,5 Prozent auf 8,3 Prozent steigen. Die privaten Haushalte würden verunsichert und daher mehr sparen, als es die verfügbaren Einkommen zuließen.
Die Forscher legen sich aber nicht fest. Auf die Frage, wie wahrscheinlich das Risikoszenario sei, sagen sie: „Mitte der letzten Woche hätten Sie eine deutlich pessimistischere Antwort bekommen als vor 14 Tagen, und seit Montag sehen wir die Lage wieder deutlich optimistischer.“
Konjunkturprogramme
Auch im Angesicht der Finanzkrise lehnen die Institute klassische Konjunkturprogramme ab. Sie lassen sich aber eine Hintertür offen. Konjunkturgerechte Wachstumsprogramme, so die feinsinnige Formulierung, könnten hilfreich sein. Und was das ist? Den Bürgern etwa die heimlichen Steuererhöhungen aus der kalten Progression zurückgeben, dafür sorgen, dass die Sozialabgaben sinken und nicht steigen. Joachim Scheide vom Kieler Institut für Weltwirtschaft ist sogar dafür, die Arbeitslosenversicherungsbeiträge unter die beschlossene Marke von 2,8 Prozent zu senken. Die Bürger hätten zudem Anspruch darauf, Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung stärker von der Steuer absetzen zu können. Die Koalition sieht dies erst für 2010 vor, die Institute mahnen aber nun zur Eile.
Haushaltssanierung
Die Institute entlassen die Koalition angesichts der Krise aus dem Versprechen, 2011 eine schwarze Null beim Haushalt vorzulegen. Die Losung lautet aber: Das Stabilitätsziel dürfe nur mittelfristig nicht aufgegeben werden. Wenn sich der Gesetzgeber zu Mehrausgaben entschließe, dann solle aber auch gleich festgelegt werden, wann das Geld wieder eingespart wird.
Hilfen für Autobauer
Die Automobilindustrie drängt auf staatliche Hilfen. Die Kanzlerin deutete kürzlich allerdings an, dass sie eine Wettbewerbsverzerrung nicht dulden könne - die US-Autoindustrie bekommt staatliche Hilfen. Die Forscher raten entschieden davon ab, den Neuwagen-Absatz über Programme zu fördern. Roland Döhrn vom RWI Essen spricht von „Mitnahmeeffekten“ der Industrie. Zudem sei es nicht garantiert, dass Privat-Haushalte, in denen die Job-Angst umgehe, sich so zum Neuwagenkauf bewegen ließen.
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22. April 2012,
E-Werk Köln