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Weinlese

Zufrieden, aber kein Grund zum Jubeln

Von Gisela Siebert, 22.10.08, 20:48h

Das "Weinjahr" 2008 geht dem Ende zu. Insgesamt äußerten sich die deutschen Winzer zufrieden. Das oft wechselnde Wetter hat der ein oder anderen Traube zu schaffen gemacht. Dennoch können Genießer sich auf Frühburgunder und Rieslinge mit Finesse freuen.

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2008 war "ein ganz gewöhnliches Jahr" für die Winzer. (Bild: dpa)
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2008 war "ein ganz gewöhnliches Jahr" für die Winzer. (Bild: dpa)
Jubel hört man nur aus wenigen Regionen. „Es sieht toll aus“, schwärmt in Baden Bernhard Huber. An der Ahr hat das Weingut Adeneuer „Trauben wie gemalt“ gelesen. Sonst gibt's in deutschen Landen zufriedene Kommentare zum Weinjahrgang 2008.

„Ein ganz normales Jahr“ registriert Jürgen Ellwanger in Württemberg. An der Nahe sagt Helmut Dönnhoff: „Wir haben keinen Jahrhundertjahrgang. Aber brauchen wir den jedes Jahr?“ Auf aromatische, süffige Weine mit nicht zu hohem Alkoholgehalt können Weinfreunde sich freuen.

In Malterdingen im Breisgau ist Bernhard Huber begeistert über Spätburgunder mit optimaler Reife. „Dass die Kerne braun verfärbt sind, gibt es ganz selten. Top-Qualität haben wir selbst beim sehr empfindlichen Muskateller.“ Fritz Keller aus Oberbergen am Kaiserstuhl erzählt vom großen Regenzittern vor vier Wochen. „Aber bei uns ist es wie beim Sport: Auf das Finale kommt es an.“ Und das bescherte den Winzern in Baden gutes Lesewetter und gesunde, kräftig aromatische Trauben.

„Mir lebet immer in der Hoffnung“, meint Jürgen Ellwanger im württembergischen Winterbach zu bangen Hageltagen im September, stellt aber am Ende der Lese zufrieden fest, dass seine Rieslinge, Lemberger und Trollinger meist Prädikatswein-Qualität haben werden (ab Kabinett aufwärts).

Das gleiche Fazit zieht in Franken Helmut Glaser, Kellermeister der WG Sommerach. Die Menge sei aber nicht übermäßig groß ausgefallen. Kein einfaches Jahr erlebte auch das Weingut Am Stein in Würzburg. Inhaber Ludwig Knoll: „Man musste sich anstrengen. Bei oft wechselhaftem Wetter war die Vorlese unbedingt notwendig.“

Dabei werden fäulnisbefallene Trauben früh ausgeschnitten, damit nach weiterer Reifezeit nur noch gesundes Lesegut in die Keller kommt. Gewinner in Würzburg war 2008 der Silvaner, der sich soeben zur neuen deutschen Trendsorte nach dem Riesling entwickelt. Hohe Reife hat er in Franken entwickelt.

Zwiespältig beurteilt Hansjörg Rebholz im pfälzischen Siebeldingen den Jahrgang. Grandioses erhofft er sich von den Spitzenlagen nach extrem selektiver Lese: Erst im November will er die besten Rieslinge ernten. Bei Basisweinen ist eine „knackige Säure“ zu erwarten.

In Maikammer in der Pfalz geht Gerd Faubel von besseren Weiß- als Rotweinen aus, weil die Roten die Hauptwärme im August lieben und die eher sparsam war. Chardonnay und Riesling dagegen profitieren bei der Aromenentwicklung von kühleren Temperaturen.

Dass nach vier großartigen Jahrgängen 2008 bescheidener ausfällt, stimmt Helmut Dönnhoff in Oberhausen an der Nahe eher fröhlich. „Wir haben doch bei Weinen für jeden Tag Ebbe Keller.“

Elisabeth Wittmann in Westhofen in Rheinhessen erinnert sich an Ängste wegen feuchter Wärme im August, hat aber gut ausgereifte Rieslinge und Silvaner gelesen. Am anderen Rheinufer verspricht Walter Bibo „klassische Rheingauer Rieslinge“ aus Schloss Reinhartshausen - dem Weingut mit Rebflächen mitten im Rhein (s. unten). Fäulnisprobleme hat man bisher nicht, allenfalls „saubere“ Botrytis. „Diese edelfaulen Trauben können Sie essen.“

Einen „klassischen Jahrgang“ sieht Jochen Ratzenberger aus Bacharach angesichts goldgelber Riesling- und Grauburgundertrauben. Sommerregen macht auf den Schieferböden über dem Rhein den Winzern wenig Sorgen. „Das Wasser läuft hier wunderbar ab, keine Staunässe gefährdet die Gesundheit am Stock.“

An der Mosel erwartet Oliver Haag in Brauneberg gute Kabinett- und Spätlese-Rieslinge. „Vielleicht nicht so gut wie 2007, nicht zu alkoholreich, aber von schöner Mineralität.“ In Kanzem an der Saar bekundet Dr. Heidi Kegel vom Weingut von Othegraven: „Wir spielen Roulette.“ Nachdem gerade erst stabiles Wetter die Rieslingsäure ins Angenehme umwandelt, schiebt man die Lese für die Top-Qualitäten noch möglichst lange hinaus. Schon im Keller vergären gute Kabinett-Weine.

Glücklich über beste Spätburgunder-Qualitäten mit ausgeprägter Farbbildung ist an der Ahr Marc Adeneuer in Ahrweiler. Der kühle, feuchte Sommer habe den Reben die lange Vegetation beschert, die sie brauchen, um wetterfeste Schalen zu bilden und viele Mineralien einzulagern.

Bei der WG Mayschoss-Altenahr freut sich Kellermeister Rolf Münster über sehr feinfruchtige Frühburgunder und generell „ein eher normales Jahr“. Sehr zufrieden äußert sich Spitzenwinzer Werner Näkel aus Dernau. Finesse verspricht er für Spät- und Frühburgunder wie seine Rieslinge, von denen allerdings zehn Prozent die Wildschweine gefuttert haben - was für ausgesucht gute Geschmacksqualität der Trauben spricht.



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