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Möbeldesign

Standfester Geschmack

Von Tobias Schormann, 28.10.08, 20:07h

Betonmöbel wie etwa ein Zementsessel fürs Wohnzimmer wirken weder bequem noch gemütlich. Doch Puristen und Liebhaber extravaganter Wohnideen begeistern sich für die schlichte Eleganz der massigen Klötze.

Beton
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Spiel mit Kontrasten: Weicher Filz nimmt beim "Klunkerbunker" dem Beton seinen harten Charakter. (Bild: dpa)
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Spiel mit Kontrasten: Weicher Filz nimmt beim "Klunkerbunker" dem Beton seinen harten Charakter. (Bild: dpa)
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Kaum noch als Beton zu erkennen: Geschliffen und poliert erinnert das Baumaterial an Marmor. (Bild: dpa)
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Ob Esstisch, Küchenplatte oder Badewanne - Betonmöbel finden ihren Weg in immer mehr Wohnbereiche.

„Beton kennen viele nur als grau und grob. Es geht aber auch anders“, sagt Architekt Karl Heinz Suppa, der in Berlin Betonmöbel entwirft und verkauft. Wer es gerne bunt mag, könne einen Beton-Blumenkübel zum Beispiel auch violett eingefärbt, ein Waschbecken spiegelglatt geschliffen bekommen. „Solche Stücke sind dann steinhart, fühlen sich aber samtweich an.“

Farbtöne variieren je nach Mischung

„Der Wohnbeton von heute hat nicht mehr viel mit dem aus dem Straßen- oder Brückenbau zu tun“, sagt Holger Kotzan von der Vermarktungszentrale der deutschen Zement- und Betonindustrie in Erkrath. Neuere Arten wie so genannter HiTec-Beton seien besonders hart und glatt. Er eigne sich daher nicht nur für Gartenbänke, sondern auch für die Inneneinrichtung. Je nach Mischung ergeben sich verschiedene Farbtöne: Das reicht vom Couchtisch aus strahlend hellem Weißbeton, der manchmal fast wie Marmor wirkt, bis hin zu Bodenplatten aus dunklem Portlandschieferzement, der wie Granit aussieht.

Generell sei Beton schon länger wieder modern in der Architektur, sagt Kotzan und nennt als Beispiel die mit viel Sichtbeton gestalteten Vorzeigebauten im Berliner Regierungsviertel. Im Wohnbereich gehe der Trend zu immer leichteren und dünneren Betonmöbeln, erklärt Günter Peterhoff von der Designschmiede „Form in Funktion“ in Esslingen, die sich auf solche Möbel spezialisiert hat.

Im Angebot sind dort auch Baukasten-Systeme: Ein Tisch besteht etwa aus mehreren Betonwürfeln, die nebeneinander gestellt werden. In seinen Einzelteilen lässt sich der Tisch so leichter verschieben oder transportieren.

Optische Schwere wird Betonmöbeln im Zusammenspiel mit anderen Werkstoffen genommen, erklärt Prof. Klaus Michel von der Hochschule für Kunst und Design in Halle. So ergäben sich durch die Kombination mit Holz, Edelstahl oder Kunststoff interessante Kontraste. Der Designprofessor ließ Studierende in dem Projekt „simply concrete“ ein Semester lang Betonmöbel entwerfen, die fein und leicht sein sollten.

Herausgekommen ist etwa ein Schreibtisch, dessen helle Holzplatte von grauem Beton eingefasst ist - ein warmer Naturstoff trifft so auf kühle Rohbau-Ästhetik. Raffiniert wirkt auch eine geschwungene Liege, die nur zwei Zentimeter dick ist und dank einer Kohlefaserbeschichtung den nötigen Sitzkomfort bieten soll. „Der sieht man auf den ersten Blick gar nicht an, dass sie aus Beton ist“, sagt Michel.

Auch kleine Wohnaccessoires aus Beton können ein Hingucker sein: So haben die Studenten in Halle Bilderrahmen, Kerzenleuchter, Küchenschalen und ein Vogelhäuschen aus Sand, Wasser und Zement entworfen.

„In jedes Haus oder jede Wohnung passt so etwas aber nicht“, sagt Designer Peterhoff. So richtig zur Geltung kämen Betonmöbel erst, wenn auch der Rest der Wohnung eher modern eingerichtet sei. Das sei natürlich eher etwas für Leute, die Besonderes haben wollen, die klare Formen mögen und das Puristische und Schnörkellose wollen, sagt Peterhoff.

Nicht zuletzt muss man sich exklusives Design auch leisten können. Denn die Extravaganz in Beton hat ihren Preis: Eine von Peterhoff gestaltete Lampe kostet beispielsweise 650 Euro, ein Esstisch inklusive Lieferung bis zu 2800 Euro.



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