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Neue Farin-Urlaub-CD

Weniger spartanisch

Von Christoph Mathieu, 30.10.08, 21:36h, aktualisiert 30.10.08, 21:41h

„Die Wahrheit übers Lügen“ heißt das dritte Soloalbum von Ärzte-Gitarrist Farin Urlaub, das am 31. Oktober erscheint. Mit ihm sprach Christoph Mathieu über die Melancholie in seinen Songtexten, über Lieder im Westernstil und über rätselhafte Passagen.

Farin Urlaub
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Der Ärzte-Sänger Farin Urlaub. (BILD: VERANSTALTER/ARCHIV)
Farin Urlaub
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Der Ärzte-Sänger Farin Urlaub. (BILD: VERANSTALTER/ARCHIV)

Im Booklet Ihrer Platte bedanken Sie sich bei Ihren Freunden für ihre Geduld. Warum ?

Weil ich nie Zeit für sie habe. Entweder bin ich verreist, oder ich bin mit den Ärzten auf Tour oder im Studio, und ansonsten nehme ich Platten mit meiner anderen Band auf.

. . .dem Racing Team, das mit zwölf Musikern so etwas wie eine Punk-Big-Band ist. Es hat mich überrascht, dass auf der neuen Platte so wenig von den Bläsern und den Sängerinnen zu hören ist.

Die meisten Songs sind eben Rocksongs, die auch ohne Bläser schon randvoll sind. Live werden die Bläser sicher mehr zur Geltung kommen. Außerdem liegt dem Album ja noch eine kleine CD mit vier Reggae- und Ska-Songs bei - auf der ist das komplette Racing Team“ zu hören.

Sie ist auch viel weniger schwermütig als das „große Album“ und klingt mehr nach Gemeinschaftsprojekt.

Das ist die erste Soloplatte, die ich mit Band und nicht alleine aufgenommen habe. Aber noch habe ich alle Lieder selbst geschrieben. Der Plan ist, beim nächsten Album die Band noch mehr zu integrieren - mit Songs, die die anderen geschrieben haben oder Frauen im Lead-Gesang.

Es ist auffällig, dass Sie seit dem Ärzte-Album „Geräusch“ von 2003 auf jeder Platte mehrere Songs schreiben, in denen sie propagieren, dass man nicht meckern, sondern das Leben genießen soll.

Und langsam nerve ich die Leute damit, weiß ich. Deshalb gibt es ja jetzt auch keins von diesen Liedern.

Na ja, „I.F.D.G.“ und „Pakistan“ gehen schon stark in die Richtung.

„I.F.D.G.“ ist purer Quatsch. Und „Pakistan“ geht auf eine Kindheitserinnerung zurück. Da stand ich gerne mit älteren Jungs an der Pommesbude in Frohnau herum. Die redeten immer davon, nach Amerika zu wollen, und ich dachte: „Wow, die sind schon groß, die können nach Amerika!“ Aber die gingen nie, und ich wunderte mich, warum sie nicht einfach aufbrechen.

Sie haben auch Ihr Faible für mordende Cowboys wiederentdeckt. In den 80ern gab es „El Cattivo“, auf der letzten Ärzte-Platte „Nur ein Kuss“, auf dem neuen Album „Die Leiche.“

Das Lied soll eine Moritat im Stil von „Mariechen saß weinend im Garten“ sein. Der Text ist eher von Hitchcock als von Western inspiriert. Ich wollte einen Song schreiben, der die Schock-Wirkung der „Psycho“-Szene hat, in der die Hauptfigur Norman Bates tote Mutter im Keller entdeckt.

Apropos Schock: Sie beklagen, dass Sie die Scorpions im Radio hören müssen. Ist die Erwähnung eine Rache dafür, dass Rudi Schenker Sie in die Boulevardpresse gebracht hat?

Er fühlte sich im Backstage-Bereich beim Ärzte-Konzert nicht gut von mir behandelt und ging damit an die Presse. Ich wollte mich nicht rächen, sondern brauchte für meinen Song „Monster“ nur eine schlechte Rockband. Und Bon Jovi wollte ich nicht nehmen.

Sie geben Ihren Fans ein paar Rätsel auf. Wer ist der Hase in Ihrem aktuellen Video zur Single „Nichimgriff“? Und wen besingen Sie in Gobi Todic?

Der Hase heißt MümmelPlüschohr und ist da, weil der Regisseur ihn lustig fand. Und Gobi Todic ist ein russischer Revoluzzer, den es wirklich gab, den man aber nicht kennt. Ich weiß nicht mal, ob ich seinen Namen richtig aus dem Kyrillischen übersetzt habe. Ich dachte einfach, über Che Guevara ist schon genug gesungen worden.

Nach dem lebensbejahenden Album „Endlich Urlaub“ war das letzte „Am Ende der Sonne“ sehr düster. Das neue Album ist auch wieder düster, aber die Musik klingt deutlich reifer.

Bei „Am Ende der Sonne“ musste das ganze Schwere einfach mal raus, das ich bei den Ärzten nicht machen kann. Das Racing Team ist eine vollkommen andere Band als Die Ärzte, es ist weniger spartanisch und klingt daher auch völlig anders. Über „Am Ende der Sonne“ habe ich den richtigen Sound für die Band gefunden. So wie auf die „Wahrheit übers Lügen“ soll das Racing Team auch in Zukunft klingen.



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