Von Jens P. Dorner, 07.11.08, 00:22h
Für Russland endet eine einfache Zeit. George W. Bush diente in Moskau vor allem einem Zweck: Niemand eignete sich aus Sicht des Kreml besser, um ihm in globalen Krisen Schuld zuzuweisen. Mit Barack Obama wird es kompliziert. Einen Vorgeschmack lieferten die ersten Stunden nach dessen Triumph.
So richtig wussten die Moskauer Experten nicht, wie sie das Wahlergebnis einordnen sollten. Moskaus internationales Institut für politische Expertisen befürchtet, dass die neue Regierung aus Russland ein Feindbild mache. Weil Washington stets Probleme „auf Kosten anderer Länder löst“, werde Obama früher oder später doch wieder bei den Bush-Methoden landen, lautet die schlichte Formel.
Und was ist mit Russlands Präsidenten Dmitri Medwedew, der in seiner Rede an die Nation die Hoffnung auf bessere Kontakte zu den USA aussprach, zugleich aber die Stationierung von Kurzstreckenraketen bei Königsberg verkündete? Der mutmaßliche Autor saß in der ersten Reihe. Letztendlich, so viel scheint klar, soll es Wladimir Putin mit Obama aufnehmen. Schon die Vorbereitungen auf den neuen Mann im Weißen Haus liefen in Moskau im Putin-Stil ab: Demonstratives Desinteresse an der US-Wahl in allen staatlich gelenkten Medien.
Aber wie hält sich der angelernte Charismatiker Putin im direkten Vergleich mit dem Naturtalent Obama? Wofür Moskaus starker Mann halbnackt posieren muss, reicht dem ersten farbigen US-Präsidenten Glaubwürdigkeit.
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22. April 2012,
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