Von Wilfried Goebels, 09.11.08, 22:07h, aktualisiert 09.11.08, 22:48h
„Das wird uns Stimmen kosten“, mahnt Susanne Kayser-Dobiey. „Wir verabschieden uns vom Konzept der homogenen Lerngruppen.“ Die neue Mittelschule als praxisorientierte Alternative zum Gymnasium löst bei vielen FDP-Kommunalpolitikern keine helle Begeisterung aus. Künftig sollen Kommunen die Möglichkeit haben, Haupt-, Real- und Gesamtschulen unter einem Dach zu führen - wenn Kommunen und Schulträger dies wollen.
Mit dem Angebot einer neuen Schulform reagieren die Liberalen auf die sinkenden Schülerzahlen in ländlichen Regionen: Bevor die letzte Schule am Ort schließen muss, lieber eine neue Schule unter einem Dach. In der Aussprache werben FDP-Landeschef Andreas Pinkwart und sein Generalsekretär Christian Lindner für den einstimmigen Vorstandsbeschluss. „Seien wir ein bisschen mutiger“, blickt Pinkwart auf die Zeit nach 2010 voraus.
Bis dahin gilt der Koalitionsvertrag in NRW - und die CDU ist wild entschlossen, am dreigliedrigen Schulsystem festzuhalten. „Die CDU gerät in ein strategisches Dilemma“, unkt ein FDP-Regierungsmitglied. Auf Dauer sei das Schulsystem mit Haupt-, Real-, Gesamtschule und Gymnasium bei weniger Schülern nicht zu halten. Aber auch in den liberalen Reihen aber brodelt es, wie eine heftige kontroverse Diskussion zeigt.
In der Schuldebatte entzündet sich ein hitziger Streit über das G-8-„Turbo-Abitur“ nach 12 Jahren. Viele Delegierte beklagen die Überlastung der Schüler in den Mittelstufen durch enge Lehrpläne. Deshalb soll die Verdichtung des Unterrichtsplans erst in der Oberstufe greifen - sechs plus zwei statt wie heute fünf plus drei, heißt das Credo. Die FDP-Führung will darüber nachdenken. Im ersten Schritt sollen Lehrstoff und Schulbücher entrümpelt werden.
Mit deutlicher Mehrheit verabschiedet der Parteitag den Antrag, ab sofort keine neuen Gesamtschulen in NRW zu genehmigen. FDP-Landeschef Pinkwart stimmt dagegen - schließlich wird laut Koalitionsvertrag jede Schulform anerkannt. „Bis 2010 gilt der Koalitionsvertrag“, sagt Pinkwart. Danach wird man sehen.
Danach verabschiedet der Parteitag einen Leitantrag zur Finanzkrise. Die Wirtschaftsliberalen wollen nicht in die Nähe des „Casino-Kapitalismus“ gedrängt werden. In der Debatte wird deshalb auffällig oft von Kontrolle, Staat und Regulierung geredet.
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