Schriftgröße

OECD-Bildungsstudie

Deutschland gehen die Akademiker aus

Von Ulrike Völler, 09.09.08, 14:04h, aktualisiert 09.09.08, 20:54h

Deutschland verliert bei der Ausbildung von hoch qualifizierten Nachwuchskräften international weiter an Boden. Dies zeigt der Bildungsbericht 2008. Ein Fazit: Deutschland braucht dringend mehr Akademiker. Auch ein erfreuliches Ergebnis für Absolventen geht aus dem Bericht hervor.

Hörsaal
Bild vergrößern
2005 gaben die OECD-Staaten im Schnitt 6,1 Prozent ihres BIP für Bildung aus, Deutschland dagegen nur 5,1 Prozent. (Bild: dpa)
Hörsaal
Bild verkleinern
2005 gaben die OECD-Staaten im Schnitt 6,1 Prozent ihres BIP für Bildung aus, Deutschland dagegen nur 5,1 Prozent. (Bild: dpa)
BERLIN. Deutschland braucht dringend mehr Akademiker. Im naturwissenschaftlich-technischen Bereich etwa gelingt es kaum noch, den Bedarf zu decken - und der wird steigen. Gleichzeitig nehmen Einkommensvorteile für Studienabsolventen zu, und die Ausgaben für Bildung sinken - entgegen dem internationalen Trend. Der achte Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), der auf Daten aus 2005 und 2006 basiert, stellt dem deutschen Bildungssystem erneut schlechte Noten aus. Vor allem bei Studienanfängern und -absolventen verliere Deutschland weiter an Boden, sagte die für Bildung zuständige OECD-Direktorin Barbara Ischinger bei der Vorstellung der Studie in Berlin.

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), sagte, die Vorschläge der OECD bekräftigten die Vorstellungen der KMK für den Bildungsgipfel am 22. Oktober. Die Studie zeige, dass die Bildungsreformen in Deutschland noch nicht am Ziel seien.

Der Anteil der Studienanfänger stagniert zwischen 35 und 37, der Anteil der Hoch- und Fachhochschulabsolventen ist leicht auf 21 Prozent gestiegen. In den meisten anderen OECD-Ländern aber sind die Zahlen schneller und ausgehend von einem höheren Niveau gewachsen. Die Studie geht von einer Verstärkung dieses Trends aus. Dass Deutschland die wenigsten Studienabbrecher hat, wirkt nur unzureichend entgegen.

Besonderes Augenmerk gilt den „Mint-Fächern“: „Die Beliebtheit von Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik haben deutlich zugenommen“, stellte Michael Thielen, Staatssekretär im Bundesbildungsministerium, fest. Sie müssten aber noch deutlich zulegen, denn „Deutschland ist mehr als alle anderen Länder auf Absolventen aus diesen Bereichen angewiesen“. Zwar ist der Anteil der Studierenden, die in diesen Fächern einen Abschluss erwerben mit der größte, doch verpufft auch diese Prozentzahl angesichts der niedrigen absoluten Absolventenzahlen.

Eine Möglichkeit, mehr Absolventen zu bekommen, ist, mehr Frauen für diese Fächer zu begeistern. Ihr Anteil an den Studienanfängern ist auf 55 Prozent gestiegen, bei den Ingenieurswissenschaften aber liegt er mit 16 Prozent deutlich unter dem OECD-Schnitt von 22 Prozent, in Mathe und Informatik beträgt er 35 Prozent (Durchschnitt 24 Prozent).

Ischinger warnte davor, allein dadurch einen sich abzeichnenden Fachkräftemangel beheben zu wollen, indem man Frauen zur Wahl eines anderen Studienfaches bewege. Lösung könne nur eine höhere Studienquote sein.

Es besteht eine deutliche Diskrepanz zwischen Schulabgängern und Studienanfängern. 84 Prozent sprechen für sich, denn so viele der 25 bis 34-Jährigen verfügen in Deutschland mindestens über eine abgeschlossene Berufsausbildung oder Abitur (OECD-Schnitt: 78 Prozent), aber nur 37 Prozent beginnen ein Studium. Und das, obwohl die Studie den bekannten Zusammenhang von Bildung, Arbeitsmarktchancen und Einkommensvorteilen für Deutschland mehr als für alle anderen Länder belegt.

Ischinger kritisierte den Rückgang der Bildungsausgaben, die in Deutschland bei 5,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen. Dies könne langfristig die „globale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands deutlich gefährden“. Erfolgsrezepte kommen aus den nordischen Ländern, die in großem Umfang öffentliche Mittel in Hochschulen und direkt in Studierende stecken, und Ländern wie Großbritannien oder Japan. Dort werden die Kosten durch Studiengebühren gedeckt. Weniger Begüterten wird das Studium über Kredite und Stipendien ermöglicht.



Die Kölnische Rundschau im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Rundschau zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Newsticker


Anzeige


Rundschau-Spiel


Bildergalerien


Rundschau-Forum


Videonews Politik


Ihre Top-Artikel


Aktion


SERVICE


Extra


Dienste