Von Ulrike Völler, 09.09.08, 14:04h, aktualisiert 09.09.08, 20:54h
Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), sagte, die Vorschläge der OECD bekräftigten die Vorstellungen der KMK für den Bildungsgipfel am 22. Oktober. Die Studie zeige, dass die Bildungsreformen in Deutschland noch nicht am Ziel seien.
Der Anteil der Studienanfänger stagniert zwischen 35 und 37, der Anteil der Hoch- und Fachhochschulabsolventen ist leicht auf 21 Prozent gestiegen. In den meisten anderen OECD-Ländern aber sind die Zahlen schneller und ausgehend von einem höheren Niveau gewachsen. Die Studie geht von einer Verstärkung dieses Trends aus. Dass Deutschland die wenigsten Studienabbrecher hat, wirkt nur unzureichend entgegen.
Besonderes Augenmerk gilt den „Mint-Fächern“: „Die Beliebtheit von Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik haben deutlich zugenommen“, stellte Michael Thielen, Staatssekretär im Bundesbildungsministerium, fest. Sie müssten aber noch deutlich zulegen, denn „Deutschland ist mehr als alle anderen Länder auf Absolventen aus diesen Bereichen angewiesen“. Zwar ist der Anteil der Studierenden, die in diesen Fächern einen Abschluss erwerben mit der größte, doch verpufft auch diese Prozentzahl angesichts der niedrigen absoluten Absolventenzahlen.
Eine Möglichkeit, mehr Absolventen zu bekommen, ist, mehr Frauen für diese Fächer zu begeistern. Ihr Anteil an den Studienanfängern ist auf 55 Prozent gestiegen, bei den Ingenieurswissenschaften aber liegt er mit 16 Prozent deutlich unter dem OECD-Schnitt von 22 Prozent, in Mathe und Informatik beträgt er 35 Prozent (Durchschnitt 24 Prozent).
Ischinger warnte davor, allein dadurch einen sich abzeichnenden Fachkräftemangel beheben zu wollen, indem man Frauen zur Wahl eines anderen Studienfaches bewege. Lösung könne nur eine höhere Studienquote sein.
Es besteht eine deutliche Diskrepanz zwischen Schulabgängern und Studienanfängern. 84 Prozent sprechen für sich, denn so viele der 25 bis 34-Jährigen verfügen in Deutschland mindestens über eine abgeschlossene Berufsausbildung oder Abitur (OECD-Schnitt: 78 Prozent), aber nur 37 Prozent beginnen ein Studium. Und das, obwohl die Studie den bekannten Zusammenhang von Bildung, Arbeitsmarktchancen und Einkommensvorteilen für Deutschland mehr als für alle anderen Länder belegt.
Ischinger kritisierte den Rückgang der Bildungsausgaben, die in Deutschland bei 5,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen. Dies könne langfristig die „globale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands deutlich gefährden“. Erfolgsrezepte kommen aus den nordischen Ländern, die in großem Umfang öffentliche Mittel in Hochschulen und direkt in Studierende stecken, und Ländern wie Großbritannien oder Japan. Dort werden die Kosten durch Studiengebühren gedeckt. Weniger Begüterten wird das Studium über Kredite und Stipendien ermöglicht.
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