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Anti-Islamisierungskongress

Rechte gehen auf dem Rhein baden

Von Jan Wördenweber und Daniel Taab, 19.09.08, 16:31h, aktualisiert 20.09.08, 08:53h

Heute Vormittag will Pro Köln die zentrale Kundgebung auf dem Heumarkt abhalten. Bereits am Abend zuvor sperrte die Polizei den Platz ab. Dort hatten sich rund 2 000 Demonstranten versammelt. Am ersten Tag der "Anti-Islamisierungskonferenz" blieb den Vertretern von Pro Köln für ihre Pressekonferenz nur die Flucht auf ein Schiff. Auf diesem irrten sie dann Stunden lang über den Rhein.

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Die Pro-Köln-Vertreter flüchteten auf ein Schiff. (Bild: Gauger)
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Die Pro-Köln-Vertreter flüchteten auf ein Schiff. (Bild: Gauger)
Köln - „Du bist doch total nervös, du hast Schweißperlen auf der Stirn!“ Bernd Schöppe wird von einem linken Aktivisten angebrüllt. Das Vorstandsmitglied von „pro Köln“ steht auf der Rodenkirchener Hauptstraße mit dem Rücken zur Häuserwand und muss von Polizeibeamten einer Hundertschaft geschützt werden. Schöppe ist klitschnass. Soeben ist er von einem Gegendemonstranten angegriffen worden, auch Farbbeutel flogen in Richtung des Ratsherrn. Die Polizei nimmt einen Tatverdächtigen fest. Fast zeitgleich wird auch ein weiterer „pro Köln“-Anhänger attackiert. Die Meldung, Rechtsradikale hätten einen Ausländer durch Rodenkirchen gejagt, erweist sich später als falsch.

Ein turbulenter Auftakt des „Anti-Islamisierungskongresses“, der sich als großes Katz- und-Maus-Spiel entpuppt. Es zieht sich hin bis in den späten Freitagnachmittag. Da „pro Köln“ untersagt wurde, die Räume des Nippeser Bezirksrathauses zu nutzen, wo am Morgen 200 Bürger gegen die als rechtsextrem eingestufte „Bürgerbewegung“ demonstrierten, lädt „pro Köln“ die Journalisten zum Rodenkirchener Rathaus.

Dort wird bekannt gegeben, dass es aufs Schiff geht: Alle Mann zum Anleger. Als die „Moby Dick“ mit Steinen beworfen wird, gehen Scheiben zu Bruch - der nichts ahnende Kapitän legt so schnell wie möglich ab und steuert flussabwärts. Am Ufer kommt es zum Streit unter „pro Köln“-Gegnern. „Ich will keine Kölner, die Steine schmeißen!“, brüllt ein Mann und mahnt zum friedlichen Protest.

Durch das verfrühte Ablegen kommen viele „pro Köln“-Anhänger zu spät, darunter der stellvertretende „pro NRW“-Vorsitzende Kevin Hauer in Begleitung italienischer Gäste. Auch er wird von linken Demonstranten geschubst, ruft nach der Polizei. Die ist binnen Sekunden zur Stelle, im Gegensatz zu dem Moment, als das Schiff beworfen wurde.

Eine Polizeipanne? Mitnichten, erklärt ein Polizeisprecher. Die Einsatzkräfte seien zunächst nicht anwesend gewesen, da „pro Köln“ die Behörde nicht über den Ort der Veranstaltung informiert habe. Dagegen beklagen sich die Rechtspopulisten, von der Polizei im Stich gelassen worden zu sein. Mehrere Stunden liegt das als blauer Walfisch gestaltete Schiff in Höhe des Niehler Hafens. An Bord wird diskutiert, wie es nun weitergehen soll. Derweil versucht die Polizei, einen Anlegepunkt zu finden, wo die Menschen vor Gegendemonstranten geschützt wieder an Land gehen können.

Etwa zeitgleich greift Bezirksbürgermeister Josef Wirges in Ehrenfeld zum Mikrofon und verkündet die Odyssee der „Moby Dick“. Vor der Moschee an der Inneren Kanalstraße brandet Jubel auf. Etwa 200 Bürger bekunden ihre Solidarität mit den Muslimen, darunter Minister Armin Laschet, Alt-OB Norbert Burger, OB-Kandidat Jürgen Roters, Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes und Polizeipräsident Klaus Steffenhagen, der seinen Urlaub abgebrochen hat. „Ehrenfeld ist bunt, nicht braun“, skandiert die Menge. Und Wirges ist in Fahrt: „Soll die braune Soße doch im Rhein versinken!“

Ortswechsel: In Niehl übergibt die Polizei gegen 15.30 Uhr „pro Köln“ eine Verfügung, in der die geplante Bustour mit den vorgesehenen Stopps an der Moschee und in der Keupstraße untersagt wird. Sie könnte sowieso nicht mehr plangemäß stattfinden: Das dafür vorgesehene Busunternehmen hat sich inzwischen geweigert, „pro Köln“ durch die Stadt zu kutschieren. Und so bleiben die etwa 30 bis 40 rechten Teilnehmer der Schifffahrt bis zum Abend am Rheinufer unterhalb der Zoobrücke stehen und wollen aus Angst nicht gehen. Besonders ein FPÖ-Mitglied hat Panik: „Ich hätte sterben können, als die Pflastersteine flogen. Führen Sie uns hier raus.“ Ein leitender Beamter kontert: „Sie können ja gehen, dann gehen wir auch.“ Als eine Reisegruppe vom Amtsgericht aus Düren durch die Absperrung gelassen wird, nutzen manche Rechte den Moment und verschwinden. Wohin die ungebetenen Gäste wollen, ist unklar. Ins gebuchte Holiday Inn am Flughafen durften sie nicht mehr. Das untersagte die Hotelleitung.

Ab 19 Uhr erwartete die Polizei der nächste Großeinsatz: Das „Antifaschistische Bündnis“ hatte zur Gegendemonstration auf dem Bahnhofsvorplatz aufgerufen. Von dort zogen über tausend Teilnehmer über die Ringe. Vorsorglich wurde die Deutzer Brücke gesperrt, damit Rettungsdienste freie Fahrt haben.



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