Erstellt 27.10.08, 15:26h
Die erste öffentliche Breitseite auf McCain feuerte Newt Gingrich ab, der ehemalige republikanische Sprecher im Repräsentantenhaus. "Wie sind wir in diesen Schlamassel geraten?", zitiert die "New York Times" Gingrich am Montag. "Das ist nicht der Platz, an dem wir stehen müssten ... Das war kein Pech." Vernichtender könnte das Urteil kaum sein, schließlich gilt Gingrich nach wie vor als politisches Schwergewicht in den Reihen der Republikaner.
Jede neue Umfrage erhöht den Druck auf McCain. 52 Prozent wollen Obama wählen, sagte eine neueste Umfrage der "Washington Post" am Montag. Lediglich 45 Prozent McCain. Immer mehr Bundesstaaten, die als sichere Bastionen der Republikaner galten, könnten Obama in die Hände fallen. In Virginia, seit über vier Jahrzehnten fest in der Hand der Republikaner, führt Obama mit acht Prozentpunkten Vorsprung. Unter Republikanern, schreibt die "New York Times", grassiere die Sorge "vor einer großen Niederlage, die die Partei über Jahre hinweg geschwächt zurücklassen könnte".
Kritiker verweisen darauf, dass McCain noch Mitte September in den Umfragen zeitweise knapp vorne lag. Doch dann sei der 72-Jährige aus dem Tritt geraten, immer sprunghafter, immer launiger und unberechenbarer sei er in seinen Aussagen geworden, habe eine klare Linie vermissen lassen. Statt seine eigene Position in Sachen Wirtschaftspolitik, Finanzkrise und Irakkrieg zu verdeutlichen, verbeiße sich McCain viel zu viel in seinen Gegner, statt sachliche Argumente zu lancieren, gleite er in "negative Attacken" ab. Obama hingegen sei etwa in den Debatten ruhig und sachlich geblieben - das breite Publikum habe seine Haltung als geradezu "präsidial" goutiert.
Hinzu kommen neueste Querelen mit Vizekandidatin Sarah Palin, die wegen 150 000 Dollar Ausgaben für Luxusklamotten in die Schlagzeilen rutschte - längst gilt die Frau mit dem kecken Mundwerk als schwere Bürde für McCain, als glatte Fehlentscheidung,die ihm jetzt angelastet wird. Am Montag sprach der TV-Sender CNN von echten Spannungen zwischen der Gouverneurin aus Alaska und den McCain-Beratern. Die Frau wolle nicht länger als Zielscheibe dienen, von einem "Palin-Aufstand" gegen die Parteiberater ist die Rede.
Angeblich wolle sich die attraktive Frau vom sinkenden Schiff McCains absetzen, habe gar eigene Pläne, im Jahr 2012 selbst für das Präsidentenamt zu kandidieren. Fast noch mehr Unruhe verursachen die miesen Aussichten für viele republikanische Senatoren und Abgeordnete. Unter den Parlamentariern geht die Angst um, bei der Abstimmung am 4. November ihren Parlamentssitz verlieren. Zwischen 20 und 40 Sitze seien Gefahr, meinen manche Auguren - für Republikaner wäre das eine echte Katastrophe.
Trotzdem, noch gibt es Unwägbarkeiten, noch ist das Rennen am 4. November nicht gelaufen, warnen Experten. Noch gebe es in wichtigen Bundesstaaten wie etwa Florida ein Kopf-an-Kopf-Rennen, in den meisten Umfragen ist der Anteil der Unentschlossenen erheblich, so dass die Aussagen letztlich unsicher sind. Umfrage-Experten meinen, aus mehreren Gründen seien die Vorhersagen dieses Jahr problematisch. Einer Umfrage der "New York Times" und des TV-Senders CNN zufolge gibt etwa jeder dritte Befragte an, er kenne einen weißen Wähler, der nur deshalb nicht für Obama stimmt, weil er schwarz ist. Man könnte dies die ultimative Unsicherheit nennen, die über den Wahlen am nächsten Dienstag lastet. Es ist die "Rassenfrage": Könnten manche Wähler in letzter Minute vor einem Afro-Amerikaner im Weißen Haus zurückschrecken? (dpa)
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