Von Jan Wördenweber, 03.12.08, 20:32h, aktualisiert 03.12.08, 20:36h
„Das Vernetzen von Behörden unter einem Dach ist das Beste, was es in Sachen Kriminalitätsbekämpfung gibt“, sagte gestern Heiko Manteuffel, Leitender Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Köln, als alle Beteiligten das Konzept vorstellten. Es reiche nicht aus, nur einzelne Straftaten aufzuklären, betonte Kripo-Chef Norbert Wagner. Das zeigt auch das bereits erfolgreich praktizierte Intensivtäterkonzept der Polizei, die zu heranwachsenden Straftätern regelmäßig Kontakt hält. Von 155 Intensivtätern, die 2006 betreut wurden, sind laut Wagner 59 Prozent nach einem Jahr nicht mehr straffällig geworden.
Speziell um Jugendliche, die fünf oder mehr Straftaten innerhalb eines Jahres begehen, werden sich die Kooperationspartner im landesweit ersten „Haus des Jugendrechts“ kümmern. Durch die engmaschige Betreuung, zum Beispiel in Form von Gefährderansprachen, soll eine bestmögliche Prävention erreicht werden. Das Jugendgericht wird nicht in dem Haus vertreten sein. „Wir müssen neutral und nicht zu beeinflussen sein“, erklärte Jugendrichter Michael Klein.
Oberbürgermeister Fritz Schramma sieht die Stadt auf einem richtigen Weg, ebenso Dezernentin Dr. Agnes Klein, die ein neues Konzept für strafunmündige, kriminalitätsgefährdete Kinder präsentierte: Auffällige Kinder sollen intensiver pädagogisch betreut werden. Dazu hat der Allgemeine Soziale Dienst des Jugendamts mit der Polizei und dem Familiengericht einen systematischen Arbeitsablauf vereinbart, um individuell helfen zu können.
Wo das Haus des Jugendrechts seinen Platz haben wird, wollte Stadtdirektor Guido Kahlen gestern noch nicht sagen. Über eine geeignete Immobilie werde derzeit verhandelt. Sie liege unweit der Justiz in zentraler Lage und sei mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. Frühestens Mitte April könnte dort die Arbeit aufgenommen werden. Die Finanzierung sei durch den Haushaltsplan gesichert, erklärte Schramma.
Vorbild für die Kölner Einrichtung war das Stuttgarter „Haus des Jugendrechts“. Während dort jedoch nur strafrechtlich auffallende Kinder und Jugendliche aus dem Stadtteil Bad Cannstadt betreut werden, gibt es in Köln eine flächendeckende Umsetzung. „Mit einer Lösung, die nur einzelne Stadtteile berücksichtigt, kann das Ziel, die Jugendkriminalität in Köln insgesamt zu reduzieren, nicht erreicht werden“, heißt es in der Beschlussvorlage der Verwaltung.
Die FDP sieht sich als Initiator des Konzeptes, über das am 18. Dezember im Rat abgestimmt werden soll. Fraktionsgeschäftsführer Ulrich Breite erinnerte gestern daran, dass seine Partei bereits 2003 und 2007 eine Einrichtung nach Stuttgarter Vorbild gefordert hatte - beide Male erfolglos.
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