Von GUIDO WAGNER, 11.12.08, 07:12h
Gut zwei Minuten dauert es, bis alle Schranken geschlossen sind und der Zug passieren kann. Der letzte Testlauf vor der Abnahme offenbarte noch einige Probleme. Ein zentrales: Kaum ist das erste Fußgängersignal auf Rot gesprungen, halten auch die Autos auf der Straße daneben, obwohl sie eigentlich noch fahren dürfen. Ein Autofahrer mit Euskirchener Kennzeichen fährt gestern nach Aufforderung durch die Signaltechniker weiter, bekommts dann aber mit der Angst zu tun, als er alle anderen Autos im Kreisel bereits vor roten Ampeln und die Lok des Güterzuges bereits in der Ausfahrt des Zanders-Geländes stehen sieht. Kurzerhand stoppt er. Dabei merkt er nicht, dass er unter der Schranke steht, die sich wenig später senkt. Nur die Signaltechniker verhindern gestern, dass der rot-weiße Balken das Autodach trifft.
Die Stadt setzt darauf, dass sich heimische Verkehrsteilnehmer allmählich an die neue Verkehrsführung gewöhnen und kündigte zudem gestern Nachmittag Nachbesserungen an. Die Fußgängerampeln sollten mit Fußgänger-Piktogrammen versehen und gegebenenfalls weiter von den Auto-Lichtzeichen weggesetzt werden, damit man sie nicht mit diesen verwechsele.
Wieso überhaupt die ganzen Schranken?, schimpfte ein Passant, vorher ist der Kreisverkehr doch viel besser gelaufen. Ohne Schranken hätte die Eisenbahnverwaltung im zuständigen Landesministerium nie einer Umwandlung der alten Stau produzierenden Ampelkreuzung in einen Kreisverkehr mit Gleiskreuzung zugestimmt, so Stadtsprecher Martin Rölen. Durch den Kreisel fließe der Verkehr nun zügig, lediglich für zwei bis drei Züge zum Zanders-Werk würden die Schranken geschlossen. Weniger als eine Stunde täglich kommt es so zu Störungen, so Kurz. Zudem sei es ohne Schranken auch an der Kreuzung häufig zu Beinahe-Kollisionen gekommen, weil Fußgänger oder Radler vor oder hinter einem rangierenden Zug über die Gleise huschten.
Um Rangierfahrten vom Zanders-Gelände auf den neuen Kreisel überflüssig zu machen, werde außerdem das Gleis auf dem Firmengelände verlängert, so Kurz. Geplante Fertigstellung: in zwei Monaten. Und ganz auf den Eisenbahnanschluss für das Unternehmen verzichten? Nicht nur aus ökologischer Sicht keine gute Lösung: Täglich kommen 1000 Tonnen Zellstoff und Kohle über die Schiene in das Werk, dienstags sogar 2000 Tonnen - wenn man das alles mit Lastwagen anfahren würde, wäre das eine erhebliche Mehrbelastung an Verkehr für die Stadt, so Jürgen Kurz.
Auch Radlerin Maria Vollberg aus Refrath, die den Testlauf am Driescher Kreisel verfolgte, geht davon aus, dass man sich langsam daran gewöhnen wird - auch wenns jetzt erstmal fürchterlich aussieht. Etwas übersichtlicher wurde die Situation bereits am Mittag: Nach Abnahme der Signalanlagen wurden die daneben stehenden Baustellenampeln abgebaut - und der Ampel- und Schrankenwald gelichtet. Auch die für Rollatoren-Nutzer wie Radler gefährlichen Schienenzwischenräume sollen noch verschwinden: Entsprechende Spurrillen-Füller seien für 43 000 Euro bestellt, müssten aber eigens angefertigt werden, so Kurz.
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