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WDR Sinfonieorchester

Zwei Fäuste für einen Scherz

Von Olaf Weiden, 14.12.08, 19:53h, aktualisiert 14.12.08, 19:55h

Mit einem ungewöhnlichen Programm und zackigen Zeitsprüngen wartete das WDR Sinfonieorchester Köln am Wochenende auf. Als „Ouvertüre“ diente Mozarts Es-Dur-Sinfonie KV 543 für Rachmaninows Paganini-Variationen, Schumanns Zweite bildete das romantische Gegengewicht.

Semyon Bychkov
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Chefdirigent Semyon Bychkov (Bild: dpa)
Semyon Bychkov
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Chefdirigent Semyon Bychkov (Bild: dpa)
KÖLN - Musik aus drei Jahrhunderten: Dass Mozarts Erste aus der Trias der letzten großen Sinfonien den Charakter eines leichten Aperitifs besäße, wollte allerdings niemand behaupten. Es ging bei diesem Auftritt wohl mehr um die zehn Kameras des WDR und um die Regie, die hier eine Live-Produktion schon vorab besonders bunt anlegen wollte. So trat Chefdirigent Semyon Bychkov für Mozart ohne Podest und ohne Dirigierstab in das halbrund gestaffelte kleine Orchester, wie dies bei spritzigen Interpretationen unter historisch informierten Kammerorchestern heute üblich ist.

Naturhörner und Trompeten gehören dank des schlankeren Tons zu möglichen Varianten, wobei Bychkovs Klangvorstellung keine historischen Vorbilder sucht. Sein Mozart klingt mit diesem Orchester immer sinfonisch und gut abgemischt, die sehr gute Soloklarinette im Trio durfte sich in blumige Verzierungen versteigen, das klang alles frisch gewagt und doch kompakt.

Rachmaninows Rhapsodie a-moll für Klavier und Orchester rief den Russen Kirill Gerstein auf das Parkett, und der ließ den Flügel ganz schön klingeln. Mit einem Glockenspiel verlängerte Rachmaninow noch die Klangskala nach oben, überhaupt war dichte Kommunikation mit dem Orchester gefragt. Die seelenvollen Klangwogen der Streicher unterfütterten die Hörner oftmals zu unwiderstehlicher Süße. Im Finale donnerten die Fäuste des überlegenen Pianisten, und es flogen die Finger, um dann in einer ganz banalen melodischen Schlusswendung den Zuhörern ein Lächeln aufzuzaubern, musikalisch geflüstert: Das war doch nur ein kleiner Scherz. Gerstein lenkt dazu den richtigen Blick ins Publikum.

Gestochen scharf kamen die Einsätze schon bei Mozart nicht immer, auch bei Schumann wackelte manches ungewohnt. In seiner Zweiten Sinfonie wirkte das Spiel zwischen den getrennt sitzenden 1. und 2. Geigen imposant. Bychkov gestaltete die Tempi sehr frei, Klasse besaßen die zahllosen Sforzati, ein Blühen und Vergehen auf engstem Raum. Irgendwann werden wir dies im TV bewundern können.



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