Erstellt 05.12.08, 18:14h, aktualisiert 05.12.08, 18:15h
"Auf Dauer muss jede Zeitung wieder schwarze Zahlen schreiben", sagte WAZ-Geschäftsführer Christian Nienhaus. Derzeit erwirtschaftet nur noch die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" (WAZ) Gewinne, die drei anderen Blätter "Neue Ruhr/Neue Rhein-Zeitung" (NRZ), "Westfalenpost" (WP) und vor allem die "Westfälische Rundschau" (WR) stecken in Millionenverlusten. Alle Blätter verzeichnen Auflagenrückgänge. Hinzu kommen Anzeigenverluste, die Hombach vor kurzem auf 30 Prozent im Jahresvergleich beziffert hatte. Die Verlagsspitze will 30 Millionen Euro sparen. Teil des Programms ist auch eine gemeinsame Mantelredaktion für WAZ, NRZ und WR.
Damit drohe der Verlust journalistischer Vielfalt und Qualität, kritisierte der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), Michael Konken. Als "gleichförmiges Einheitsblatt" mit vier verschiedenen Titeln werde die WAZ ihre Rendite bestimmt nicht steigern. Hombach wies den Vorwurf eines Einheitsblattes als Unsinn zurück. Alle Titel profitierten voreinander.
Die geplanten Kürzungen sollen mit mehr als 200 Stellen überproportional das Lokale treffen. Welche der rund 100 NRW-Lokalredaktionen der Verlagsgruppe geschlossen oder zusammengelegt werden, sagte Hombach nicht. "Es wird aber kein Platz komplett geräumt." Die Verlagsgruppe ist bisher an mehreren Standorten mit Redaktionen von WAZ und NRZ oder WR und WP vertreten. Das Gutachten der vom Verlag beauftragten Unternehmensberatung listet laut DJV 19 "wirtschaftlich kritische" Standorte auf. Der DJV-Landesvorsitzende Helmut Dahlmann kritisierte, dass vor allem die Beschäftigten dieser Standorte weiter im Ungewissen über ihre Zukunft gelassen würden.
Am Donnerstagabend war bekanntgeworden, dass die WR-Chefredakteurin Kathrin Lenzer völlig überraschend und ohne Angabe von Gründen nach nur elf Monaten an der Spitze des Blattes gekündigt hat. Nachfolger wird der Bundesvorsitzende der Deutschen Journalisten-Union (dju), Malte Hinz, der schon seit vielen Jahren bei der WR ist. Hinz ist langjähriger WR-Betriebsrat und Lokalchef in Lünen. Aus dem dju-Landesverband Berlin-Brandenburg kam am Freitag die Forderung, Hinz müsse als Gewerkschaftschef zurücktreten. Er dürfe sich nicht an der Kahlschlagpolitik der WAZ beteiligen.
(dpa)
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