Von Heidrun Wirth, 08.01.09, 20:06h
Wenn das Häschen zum Mann wird
Die Entwicklung der bewegten Bilder ist verspielt und erfinderisch, neckt und narrt uns oder gibt sich streng wissenschaftlich (interessante Lichttheorien) und verknüpft unauflösbar künstlerische und technische Talente. 200 historische Exponate (ausgesucht aus 30 000 Objekten!) stammen aus der Sammlung des Filmemachers Werner Nekes aus Mülheim an der Ruhr.
In die Gegenwartskunst weitergeführt wird die Ausstellung mit 100 Arbeiten von 40 zeitgenössischen Künstlern und Künstlerinnen, kuratiert von Nike Bätzner aus Halle. Eine fantastische Themenausstellung also, die schillernd und immer anders erzählt, wie Bilder entstehen.
Es kreiselt und schwirrt in sphärischen Strudeln (Attila Csörgö), täuscht in Spiegeln, verschwebt im Rauch, selbst Töne kommen mit ins Spiel, wenn die Windorgeln jammern& Ihr Schöpfer Pierre Bastien ist schließlich Komponist.
Da gibt es diaphane (durchscheinende) Bilder, in denen die berühmte weiße Frau aus dem 19. Jahrhundert auftaucht, wenn das Bild gegen das Licht gehalten wird. Das Geistersehen wird in der Gegenwart weitergeführt in den Traumwelten (manipulierte Zeichnungen und Fotografien) von Katharina Meidner.
Alte Schattenspielereien regen auch noch Künstler wie den 1964 geborenen Olafur Eliasson an, und wir tappen in die leere Wand hinein bei der ausgeschnittenen Lichtgestalt auf einem Foto von Hans-Peter Feldmann. Die gerippten, eigentlich recht langweiligen Skulpturen von Tim Noble & Sue Webster aus London verwandeln sich in geheimnisvolle janusköpfige Profile im Schatten an der Wand.
Nur dass das Häschen von Markus Raetz (Drahtskulptur) im Spiegel plötzlich ein Mann mit Hut ist, versteht man irgendwie nicht, auch wenn man noch so sehr der an sich simplen Sache auf den Grund kommen will.
Regina Silveira malt einen wilden Reiter als riesiges dynamisches schwarzes Schatten-Blow-up über die Wände. Zugrunde liegt aber nur ein braves kleines Nichts in Form einer kleinen bunten Spielzeug-Reiterfigur auf hohem Sockel. William Kentridge, documenta-Teilnehmer aus Südafrika, greift das alte Phänomen der Anamorphose auf: Verzerrte Bilder kreisen in einer Projektion, bleiben unkenntlich, werden aber im Spiegel eines senkrechten Metallzylinders, der in der Mitte der Rotation steht, zum glasklaren Bild.
Bereits Marcel Duchamp bringt seine Rotorreliefs in Schwung. Ein Fisch strudelt immer tiefer in die Tiefe, erreicht sie aber nie. Die Dinge sind, was sie sind bei dem 1957 geborenen Düsseldorfer Künstler Dieter Kiessling, der weiter nichts tut, als das Bild der Glühbirne im Projektor durch Spiegel nach außen zu projizieren: eine erhabene glutvolle Ikone durchstrahlt das Niemandsland zwischen Magie und Wissenschaft.
Die Ausstellung, deren Qualität sich weit über Siegen herumgesprochen hat, ist sehr gut besucht. Sie geht anschließend noch nach Budapest und im Herbst nach Sevilla.
Bis zum 10.5., Di-So 11-18 Uhr, Do 11-20 Uhr, lesenswerter Katalog 39,90 Euro. Museum für Gegenwartskunst, Unteres Schloss 1.
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Rundschau zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige
22. April 2012,
E-Werk Köln