Von Yovka Dimitrova, 08.01.09, 20:57h
Ein rundes Dutzend EU-Länder haben Engpässe zu verzeichnen, aber keines trifft die Krise so hart wie Bulgarien, das sein Gas ausschließlich aus Russland bezieht. Im kältesten Winter seit Jahren ist das ärmste Mitglied der EU abgeschnitten vom „blauen Brennstoff“. Wie in alten Zeiten müssen die Bürger auf Holz, Steinkohle, Heizöl zurückgreifen. In den Geschäften sind die Elektro-Öfchen und Öl-Radiatoren ausverkauft. Der Präsident will das umstrittene Atomkraftwerk Kosloduj wieder hochfahren.
Heizen wie in alten ZeitenIvan Stojanov wohnt in Schumen, einer Stadt 500 Kilometer nordöstlich von Sofia. Dort haben sie die zentrale Wärmeversorgung abgedreht. „Wir haben keine andere Wahl. Wir müssen aufs Land und bei der Schwiegermutter Zuflucht suchen. Da gibt es Steinkohle und Holz.“ Die Städter sind die Hauptleidtragenden. Schon Anfang der Woche wurde die Temperatur des Wassers in den Heizungsrohren gedrosselt, in Sofia um ein Drittel. Überall sollen die städtischen Kraftwerke jetzt auf Ölfeuerung umstellen. Das Öl kommt aus der einzigen Raffinerie, Eigentum des russischen Lukoil-Konzerns. Die Vorräte reichen gerade mal für eine Woche, Geld für zusätzliche Öl-Importe gibt es nicht.
Der Energie-Verbrauch der Unternehmen ist rationiert, viele haben ihre Beschäftigten in Zwangsurlaub geschickt. In den Kliniken behilft sich das Personal mit Radiatoren und packt den Patienten drei Decken auf den Leib. Operationen werden verschoben. In 75 Schulen hat die Direktion den Kindern erstmal bis zum Ende der Woche freigegeben. „Besser, die Kinder bleiben ein paar Tage zuhause, als dass sie krank werden“, sagt Vera Alexandrova, Direktorin der 120. Schule in Sofia.
Zuhause ist es oft nicht wärmer. In Burgas am Schwarzen Meer ist die zentrale Wärmeversorgung ganz ausgeschaltet. In Plovdiv, der drittgrößten Stadt des Landes, liegt die Zimmertemperatur in den Privatwohnungen bei 14 Grad Celsius. Unterdessen wächst die Sorge, das Stromnetz könne unter dem aufs Doppelte hochgeschnellten Verbrauch zusammenbrechen.
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