Von Markus Grabitz, 15.01.09, 20:17h, aktualisiert 22.01.09, 22:55h
Reform muss nicht immer Geld kosten
Stefan Kooths, Konjunkturexperte beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), widerspricht ganz entschieden. Gegenüber der „Rundschau“ sagte er: „Die deutsche Politik ist sehr wohl handlungsfähig. Reformen des Staates müssen nicht immer Geld kosten.“ Auch eine Steuerstrukturreform sei zu haben, ohne dass der Staat die Bürger um zweistellige Milliardenbeträge entlaste.
Angesichts der rapiden Steigerung der Schulden durch die Konjunkturpakete macht sich Steinbrück für strenge Tilgungsregeln und eine Schuldenbremse stark. Das Bundeskabinett wolle noch Ende Januar die Regeln zur Rückzahlung der Milliardenkredite festlegen. Denkbar sei etwa, künftige Gewinne der Bundesbank nach dem Muster des Erblastentilgungsfonds zu verwenden. Alternativ könnten Steuermehreinnahmen ab einer bestimmten Grenze für die Tilgung der Schulden eingesetzt werden. „Wir könnten eine bestimmte Wachstumsrate festlegen“, so Steinbrück. Werde diese überschritten, sollten die Mehreinnahmen zum Teil zur Schuldentilgung verwendet werden.
Die Bundesbürger stehen der Ausweitung der Schulden skeptisch gegenüber. In einer Umfrage von infratest dimap für die ARD-Tagesthemen sagten 62 Prozent, das Konjunkturpaket II helfe nicht dabei, das Ausmaß der Rezession zu lindern. Unterdessen liegen die vorläufigen Zahlen zum Abschluss des Bundesetats 2008 vor. Darin findet die Finanzmarktkrise noch keinen Niederschlag. Die Neuverschuldung des Bundes lag demnach mit 11,5 Milliarden Euro um 400 Millionen Euro unter dem Plan.
Die Gesamtausgaben liegen mit 282,3 Milliarden um etwa 900 Millionen unter den ursprünglichen Ansätzen. Der Finanzminister konnte 2008 vor allem wegen deutlich über dem Plan liegender Steuer- und sonstiger Einnahmen so gut abschließen. 2009 wird dagegen nicht so gut ablaufen, das steht schon fest.
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