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GPS-Armbanduhren

Die lückenlose Kindheitskontrolle

Von Christiane Worring, 15.01.09, 19:58h, aktualisiert 15.01.09, 20:02h

Eltern haben Ängste, und an die appellieren immer mehr Hersteller von Gerätschaften zur Kindersicherheit. Neuester Coup: Auf der Elektronikmesse in Las Vegas wurde jetzt die „Num8“ vorgestellt, eine Kinderarmbanduhr mit integrierter GPS Funktion.

Ortungstechnik
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Kinder allein im Wald? Von wegen! Via Ortungstechnik halten sich Eltern über das Treiben ihrer Kinder auf dem Laufenden. (Bild: dpa)
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Kinder allein im Wald? Von wegen! Via Ortungstechnik halten sich Eltern über das Treiben ihrer Kinder auf dem Laufenden. (Bild: dpa)
Kinder, das Leben ist gefährlich. Was da alles passieren kann: Aufgeschürfte Knie nach dem Sturz vom Fahrrad. Ein gebrochener Arm, wenn beim Klettern im Baum der Ast bricht. Vom orientierungslosen Herumirren in den Straßenschluchten der Großstadt oder gar von Entführungen wollen wir gar nicht reden . . . Da ist es nur konsequent, dass viele Eltern ihre Kinder nur noch an die Luft schicken, wenn es zum Spiel auf den mit Gummimatten ausgelegten und von Mütterbänken umringten Spielplatz mit TÜV-geprüften Gerätschaften geht. Sollte es einem Kind gelingen, aus so einem sicheren Spielgehege zu entkommen, kann es via GPS oder Handy-Ortung aber Gott sei Dank schnell wieder aufgegriffen werden.

Eltern haben Ängste, und an die appellieren immer mehr Hersteller von Gerätschaften zur Kindersicherheit. Weltweit florieren Produkte zur Überwachung der Kleinen - gerne beworben mit „erschreckenden“ Statistiken vermisster Kinder. Neuester Coup: Auf der Elektronikmesse in Las Vegas wurde jetzt die „Num8“ vorgestellt, eine schlichte Kinderarmbanduhr mit integrierter GPS Funktion (Preis: ca. 169 Euro). Damit lassen sich kleine Ausreißer nach Herstellerangaben via Handy oder PC auf drei Meter genau orten.

Neue ist die Idee dabei keinesfalls. Laut Kinderhilfswerk verfügt heute jeder dritte Achtjährige über ein Handy, damit die Eltern wissen, wo die Kleinen sich gerade herumtreiben. Über Internetplattformen wie „Track your Kid“ können Mami und Papi sich jederzeit per E-Mail oder Handy informieren lassen, wo ihre Kinder sich herumtreiben - unabhängig davon, welches Handy sie benutzen. Die Ortung funktioniert über das GSM-Mobilfunknetz.

Speziellere Modelle wie etwa das „Kinderhandy Junior Tel“ (ca. 189 Euro) erinnern an Notrufsysteme für betagte Menschen: An vier festgelegten Uhrzeiten pro Tag müssen die Kinder eine beliebige Taste des Handys drücken, um zu signalisieren, dass es ihnen gut geht. Unterlassen sie das, warnt das Handy die Eltern automatisch per SMS. Via Tracking-Funktion kontrolliert das Gerät außerdem, ob die Kinder etwa vom vereinbarten Schulweg abweichen und spürt per „aktivem Ortungsservice“ den Aufenthaltsort auf.

„Viel zu ungenau“ urteilen Anbieter von GPS-gestützten Ortungssystemen über diese Handy-Ortung. Deren 500-Meter-Genauigkeit entspreche der „Größe einer Wohnsiedlung“, meint etwa Ralf Kiehne von der Firma „Leoworx“. Der GPS-Experte bringt in Deutschland im Februar sein „iNanny“ genanntes Ortungssystem auf den Markt, mit dem sich Kinder per Handy oder Internet weltweit binnen weniger Sekunden metergenau lokalisieren lassen. 129 Euro soll das streichholzschachtelgroße Gerät kosten, zuzüglich zehn Euro monatliche Gebühren.

Während Hersteller der neuen Technologien ihre Produkte mit Slogans wie „Gib Deinem Kind die Freiheit, die Du damals selber hattest“ bewerben, warnen Kritiker vor der lückenlosen Überwachung. Zwar sei eine Ortung von Kindern in Gefahrensituationen sicherlich nützlich, meinen Psychologen in den USA, wo die Überwachungstechnik von Eltern mit zunehmender Begeisterung eingesetzt wird. Aber wer eine solche Technik anwende, signalisiere dem Kind: „Ich vertraue Dir nicht“, sagt Gerald Bostwick, Jugendpsychologe an der Universität Cincinnati. In der Pubertät könne dies gar zu fatalen Konflikten führen: „Die Kinder müssen selbstständig werden und erleben ihre Eltern als Spione im Handy. Sie haben das Gefühl, dass sie mit zunehmendem Alter Freiheiten gewinnen und nicht verlieren“, so Bostwick.



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