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Übung

In der Halle die Katastrophen durchgespielt

Von Dieter Krantz, 01.02.09, 19:45h

Junge Mediziner allesamt, die als Notärzte schon im Einsatz sind oder das einmal tun werden haben sich in der Werkshalle versammelt, um zu üben, wie sie sich in einem Notfall zu verhalten haben. „Das ist eine große Herausforderung für die Ärzte“, weiß Andreas Archut von den Maltesern in Bad Honnef, der die Veranstaltung mit vorbereitet hat.

Troisdorf - Das Blut kam aus der Plastikflasche, Autowrack und verwüstetes Straßencafé waren mit viel Liebe zum Detail arrangiert worden. Und auch die „Patienten“ gaben sich viel Mühe: Schreiend und vor Schmerzen stöhnend wälzten sie sich am Boden, ein Betrunkener beschimpfte die Helfer. Kein leichter Job, da die Ruhe zu bewahren und die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Um genau das zu üben, waren die Teilnehmer in die Werkshalle gekommen, die die Leitung der Mannstaedt-Werke zur Verfügung gestellt hatte. Junge Mediziner allesamt, die als Notärzte schon im Einsatz sind oder das nach Abschluss einer langen und aufwändigen Ausbildung einmal tun werden. „Das ist eine große Herausforderung für die Ärzte“, weiß Andreas Archut von den Maltesern in Bad Honnef, der die Veranstaltung mit vorbereitet hat. „Bei dieser Sichtungsübung geht der Notarzt herum und schaut, wer wie dringend behandelt werden muss“ - eine unverzichtbare Maßnahme, sollte, wie in der Übung angenommen, ein Auto durch ein voll besetztes Café gerast sein. Leicht verletzte Personen bekommen dann eine grüne Karte, wer innerhalb der nächsten halben Stunde im Krankenhaus sein muss, eine rote. „Schwarz stecken wir nicht gerne“, sagt Rainer Stens, der die Gruppe der Patienten leitet.

230 Teilnehmer hatten die Veranstalter um den Troisdorfer Anästhesisten André Schmitz am Morgen im Bürgerhaus begrüßt: Schmitz, Facharzt am St. Josef-Hospital in Troisdorf, hatte vor fünf Jahren eine regelmäßige Notarzt-Fortbildung ins Leben gerufen und zum Jubiläum diesen Kongress organisiert. Themen wie Herzinfarkt - und dessen sichere Diagnose schon im Rettungswagen -, neue Möglichkeiten der Beatmung, aber auch der Umgang mit schwerstens übergewichtigen Patienten standen auf dem Vortragsprogramm; dazu die geburtliche Nothilfe oder die Schockbehandlung bei Kindern. Die Zuhörer kamen bei weitem nicht nur aus dem Rhein-Sieg-Kreis, „die weiteste Anfrage kam aus Hamburg“, erinnerte sich Schmitz, zugesagt hatten Teilnehmer aus Würzburg und Baunatal bei Kassel.

Die möglicherweise ähnliche Probleme haben wie ihre Kollegen im Rhein-Sieg-Kreis: „Größtes Problem sind immer die Intensivbetten“, berichtete Schmitz. Die Kliniken seien gezwungen, Betten abzubauen; „da reist man unter Umständen weit, um die Patienten zu versorgen“. Natürlich spielen auch Geld und Kosten eine Rolle. „Die Ansprüche und die Vorgaben steigen“, weiß André Schmitz.

Doch nicht das Budget, das der Rhein-Sieg-Kreis für den Notarzt-Standort Troisdorf überweist. 260 000 Euro, so Karl Geßmann, Verwaltungschef am St. Josef-Hospital, stehen jährlich zur Verfügung; dabei seien die Einsatzzahlen allein in den vergangenen drei Jahren um 40 Prozent gestiegen. Innerhalb dieser Zeit gab es auch eine Gehaltserhöhung für die Ärzte - ohne, dass sich dieses im Budget niederschlage. Und so haben die Notärzte auch Nachwuchssorgen. „Warum soll einer die aufwendige Ausbildung machen, wenn er kaum Vergütung bekommt?“, fragt Geßmann. Gut ausgebildet sind sie aber allemal, nicht zuletzt dank der regelmäßigen Fortbildungen.



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