Von Carsten Hoffmann, 30.01.09, 19:37h
Zuvor war Erdogan in Istanbul wie ein Volksheld empfangen worden. Im Streit mit Peres hatte er vielen Landsleuten aus der Seele gesprochen und war wutentbrannt abgereist.
Emotional und lautstark hatte Peres in einem mit 25 Minuten überlangen Redebeitrag den blutigen Einsatz gegen die Palästinenser gerechtfertigt. „Was hätten Sie denn getan, wenn jeden Abend Raketen auf Istanbul niedergegangen wären?“, fragte er den neben ihm sitzenden Erdogan. Den packte die Wut, auch weil er sich vom Moderator die Möglichkeit zur Antwort erst erstreiten musste. Peres sei wohl so laut geworden, weil er Schuldgefühle habe, sagte Erdogan. „Wenn es ums Töten geht, mit dem Töten kennt ihr euch sehr gut aus.“
Dabei hatten Israel und die Türkei zuvor versucht, die Gräben, die sich im Streit um die Militäroffensive aufgetan hatte, zuzuschütten. Erdogan und Präsident Abdullah Gül wollen ihr Land als Vermittler in Nahost positionieren - und dabei das Vertrauen aller Beteiligten nutzen. Die Türkei unterhält gute Kontakte in die arabische Welt und zum Iran, ist gleichzeitig einziger Militärpartner Israels in der Region. Israelische Piloten dürfen in der Türkei üben.
Doch die Härte der israelischen Militärschläge hat in der Türkei Entrüstung ausgelöst. Erdogan formulierte seine Kritik scharf. Die Türkei sei nicht einfach irgendein Land. Seit der Vertreibung aus Spanien im 15. Jahrhundert sei Juden mehrfach Schutz und Unterschlupf gewährt worden. Noch 2005 nahm Erdogan stellvertretend für türkische Diplomaten, die Juden vor dem Holocaust gerettet haben, einen Preis der jüdischen Anti-Defamation League an.
Nach seinem Ausbruch waren türkische Diplomaten und der Generalstab um Entspannung bemüht. Die Armee erklärte eilends, der Eklat werde die militärische Zusammenarbeit mit Israel nicht stören, weil sie auch im nationalen Interesse sei. (dpa)
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