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J. S. Bach in Philharmonie

Eine Reise zum Ursprung der Musik

Von Volker Fries, 04.02.09, 20:53h

Der polnische Pianist Piotr Anderszewski eröffnet und bedendet seinen Klavierabend in der Philharmonie mit Johann Sebastian Bach. Trotz einiger Schwächen zu Beginn des Klassik-Abends ist klar: Hier ist ein Meister der klanglichen Finessen am Werk.

KÖLN - Dass der polnische Pianist Piotr Anderszewski seinen Klavierabend in der Philharmonie mit Johann Sebastian Bach eröffnete, war gewiss nicht ungewöhnlich; dass er ihn aber auch mit Bach beschloss, nachdem er „unterwegs“ noch Schumann und Janácek begegnet war, darf wohl als etwas Besonderes gelten. Bach als Anfang und Ende aller Musik also, eine Zeitreise quasi zurück zum Ursprung. Dabei hinterließ der Beginn, die Partita c-moll (BWV 826) nicht einmal den stärksten Eindruck.

Der Anfang der einleitenden „Sinfonia“ (Grave adagio) kam etwas zackig daher, die „Courante“ zu hastig und das „Rondeau“ eine Spur zu behäbig; gleichwohl war schnell klar, dass hier ein Meister der klanglichen Finessen, ein Gestalter hohen Ranges am Werk war. Die „Allemande“ und vor allem die „Sarabande“ nahmen mit verhaltener Bewegtheit und konzentrierter Innenspannung für sich ein, und die dezent ausgeschmückten Wiederholungen aller Abschnitte vermittelten durchweg einen sympathischen Hauch kreativen Eigensinns.

Düstere Suite

Das galt freilich noch stärker für die englische Suite Nr. 6 d-moll (BWV 811), ein Werk von seltsam düsterem Gehalt. Das Ebenmaß der Linien hätte jeden Computer vor Neid erblassen lassen, und doch lebte und atmete bei Anderszewski jede Phrase. „Sarabande“ und „Double“ waren auch hier von ausgesuchter Klangschönheit, die sogar im Pianissimo nichts von ihrem Glanz verlor. Zuvor war der Pole mit Schumanns „Humoreske“ (op. 20 B-Dur) auf einem anderen, aber irgendwie verwandten Stern gelandet. Jede Nuance dieser romantischen Innenwelt schien unmittelbar zu sprechen, alles war eingewoben in ein polyphones Netz aus feinen Fäden.

Zwar kam auch „Florestan“ zu seinem Recht, doch mit „Eusebius“, der zarteren der beiden Schumann-Seelen, schien Anderszewski irgendwie noch inniger vertraut. Von dort zu Janáceks vierteiligem Zyklus „Im Nebel“ (von 1912) war es für den Pianisten offenbar nur ein Katzensprung. Auch hier förderten Anschlagskultur und Sensibilität des Ausdrucks Schätze von schillerndem Reichtum zutage. Bach hatte indessen auch bei der Zugabe mit der wunderbaren „Sarabande“ aus der Partita Nr. 1 (B-Dur) das letzte Wort.



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