Schriftgröße

Minnesota Orchestra

Einen Drachen geweckt

Von Olaf Weiden, 27.02.09, 19:20h

Extreme Dynamik fasziniert den finnischen Dirigenten Osmo Vänskä. Seit gut fünf Jahren dressiert er die Musiker des Minnesota Orchestra auf diese Kunst. Jetzt demonstrierte er den Stand seiner Erfolge mit Gastspielen in Deutschland.

Osmo Vänskä
Bild vergrößern
Der finnische Dirigent Osmo Vänskä des Minnesota Orchestras bei einer Aufführung. (Bild: dpa)
Osmo Vänskä
Bild verkleinern
Der finnische Dirigent Osmo Vänskä des Minnesota Orchestras bei einer Aufführung. (Bild: dpa)
KÖLN - Für Berlin hatten die Amerikaner zumindest Beethovens Eroica aufgelegt, um neben Werken von Adams und Barber den Besuchern ein bekanntes Leckerchen anzudienen. Für Köln und sein Kennerpublikum ergänzte die Fünfte von Carl Nielsen das Programm - natürlich blieben beim Meisterkonzert in der Philharmonie viele Plätze leer.

Dabei klingt dieses Werk im ersten Satz manchmal so eingängig wie ein nordischer Bolero. Der dänische Tonsetzer wirkt in der Anlage seines Stückes radikal, nie aber in seiner Harmonik. So gab es eine Streitszene zwischen Kleiner Trommel und dem Blechbläsersatz, die sich rhythmisch forderten und nachäfften, eine Ferntrommel trug den Krieg sogar bis ins Künstlerfoyer. Der Soloklarinettist wendete sich mit Grausen vom Publikum ab und blies sein Pianissimo gegen die Rückwand. Und die starken Streicherfarben unterfütterte der Komponist mit satten fünf Hörnern - das mögen nicht nur Amerikaner.

Im Konzertauftakt öffneten die Gäste die „Slonimsky Earbox“ von John Adams, eine weitere Maschinenmusik made in USA wie seine legendäre „Fast Machine“-Fanfare. Hier wurde dem Perfektionismus der Orchesterspieler gehuldigt, der Feinmechaniker Osmo Vänskä hatte alles justiert und wechselte flexibel von Vollkraft auf sanftes Intermezzo.

Barbers Konzert wie im Traum intoniert

Auch im Violinkonzert von Samuel Barber, ein Erfolgsstück in Amerika, zeigte der Chefdirigent die Fähigkeit seines Klangkörpers, zwischen spontan gezündetem Aufschrei eines geweckten Drachen und sanftmütiger Gelassenheit in einfühlsamer Begleitung zu changieren. Immerhin galt es, den amerikanischen Geigenstar Joshua Bell und seine „Huberman“-Stradivari zu inszenieren. Bell intonierte das Stück wie im Traum, die Geige klang edel wie ihr Name, und Bell zeigte im kurzen dritten Satz, dass ein springender Bogen sie mühelos in eine lustige Country-Fiddel verwandeln kann.

Seine überragende Klasse bestätigte Bell in einer Flageolett-Orgie über den Yankee-Doodle, eine Virtuosennummer von Henri Vieuxtemps als berauschendes Kabinettstückchen für die Galerie.



Die Kölnische Rundschau im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Rundschau zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Newsticker


Anzeige


Veranstaltungssuche

 

Veranstaltungs-Tipps

Manic Street Preachers

22. April 2012,
E-Werk Köln

 

Kino & Film - Suche


Bildergalerien


Videonews Kultur


Extra


Rundschau-Service


RHEINLAND WETTER


Extra


Dienste