Von Olaf Weiden, 27.02.09, 19:20h
Dabei klingt dieses Werk im ersten Satz manchmal so eingängig wie ein nordischer Bolero. Der dänische Tonsetzer wirkt in der Anlage seines Stückes radikal, nie aber in seiner Harmonik. So gab es eine Streitszene zwischen Kleiner Trommel und dem Blechbläsersatz, die sich rhythmisch forderten und nachäfften, eine Ferntrommel trug den Krieg sogar bis ins Künstlerfoyer. Der Soloklarinettist wendete sich mit Grausen vom Publikum ab und blies sein Pianissimo gegen die Rückwand. Und die starken Streicherfarben unterfütterte der Komponist mit satten fünf Hörnern - das mögen nicht nur Amerikaner.
Im Konzertauftakt öffneten die Gäste die „Slonimsky Earbox“ von John Adams, eine weitere Maschinenmusik made in USA wie seine legendäre „Fast Machine“-Fanfare. Hier wurde dem Perfektionismus der Orchesterspieler gehuldigt, der Feinmechaniker Osmo Vänskä hatte alles justiert und wechselte flexibel von Vollkraft auf sanftes Intermezzo.
Barbers Konzert wie im Traum intoniertAuch im Violinkonzert von Samuel Barber, ein Erfolgsstück in Amerika, zeigte der Chefdirigent die Fähigkeit seines Klangkörpers, zwischen spontan gezündetem Aufschrei eines geweckten Drachen und sanftmütiger Gelassenheit in einfühlsamer Begleitung zu changieren. Immerhin galt es, den amerikanischen Geigenstar Joshua Bell und seine „Huberman“-Stradivari zu inszenieren. Bell intonierte das Stück wie im Traum, die Geige klang edel wie ihr Name, und Bell zeigte im kurzen dritten Satz, dass ein springender Bogen sie mühelos in eine lustige Country-Fiddel verwandeln kann.Seine überragende Klasse bestätigte Bell in einer Flageolett-Orgie über den Yankee-Doodle, eine Virtuosennummer von Henri Vieuxtemps als berauschendes Kabinettstückchen für die Galerie.
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22. April 2012,
E-Werk Köln