Von TOM STEINICKE, 05.03.09, 07:06h
Eva Bork aus Palmersheim hatte ihre zündende Geschäftsidee allerdings nicht an einem kalten Wintertag, sondern in Australien, denn auch da kann es sogar im Sommer empfindlich kühl sein. Am Tag war es im Top schon fast zu warm, aber abends wurde es mir dann an den Hüften kalt. Also habe ich mir meinen Schal umgebunden, aber das blöde Ding ist immer runtergerutscht, erinnert sich Bork zurück.
Schreinerin mit
Pioniergeist
Auf ihrer zweimonatigen Reise kaufte sich die 29-Jährige in Melbourne eine Art breiten Gürtel. Allerdings ohne Verschluss und zudem aus Stretch. Zurück in Deutschland war das Hüfti dann aber so ausgeleiert, dass es fast zwei Nummern zu groß war - deshalb setzte sich die gelernte Schreinerin an ihre Nähmaschine und fertigte ihren ersten eigenen Hüfti.
Natürlich erfand Bork mit ihrer Idee das Rad nicht neu, denn Nierenwärmer gibt es nicht erst seit einem kühlen Sommertag in Australien, aber die sind eigentlich eher für die ältere Generation bestimmt.
Borks Nierenwärmer sind nicht aus Schurwolle und die Farbpalette reicht weit über die unmodische Hautfarbe hinaus. Genauso ungewöhnlich wie die Umstände der Entstehungsgeschichte ist auch der Lebenslauf von Eva Bork. Nach ihrem Abitur 1998 am Emil-Fischer-Gymnasium in Euskirchen machte sie zunächst eine Ausbildung zur Schreinerin. Nach der bestandenen Prüfung und einem Jahr als Gesellin hatte sie dann aber erst einmal die Nase voll vom Sägen, Hämmern und Hobeln.
Also ging es für einen Monat nach Irland. Dort jobbte sie in einem Nationalpark. Wieder zurück in Deutschland stellte sie sich der nächsten Herausforderung und begann ein Studium zur staatlich geprüften Betriebswirtin an der Fachschule des Möbelhandels in Köln.
Als auch das erfolgreich abgeschlossen war, gönnte sich die damals 26-Jährige den bereits erwähnten Australienurlaub, bei dem die Idee der Hüftis entstand. Doch zunächst nähte Bork die Teile ausschließlich in ihrer Freizeit, weil sie eigentlich hauptberuflich Möbel und Wohnaccessoires verkaufte. In ihrer Mittagspause ging sie allerdings immer wieder in die Stadt, um Stoffe zu kaufen, da die Nachfrage nach ihren Hüftis größer wurde.
Mittlerweile gibt es regelmäßig neue Kollektionen. Die Zeit, als einzelne Exemplare auf dem Flohmarkt oder bei Ebay verkauft wurden, sind Geschichte. Stattdessen wird das eigentlich klassische Produkt ganz modern über das Internet verkauft und die Anfragen kommen aus allen Teilen der Welt.
Dafür wurde die ursprüngliche Homepage komplett überarbeitet und ist seit ein paar Monaten online. Besucher der Internetseite entdecken auch immer wieder neue Ideen, von Armstulpen und Kopfbändern bis zu Belly Belts (Bauchwärmer für die werdende Mama). Gerade die Auswahl an Belly Belts soll noch etwas größer werden. Aber auch jetzt ist die Kollektion schon sehr groß.
So gibt es die Hüftis in Nicki, Baumwollgemischen und Jersey, die man wenden kann oder eben ganz klassisch in uni. Und das Ganze in den Größen XS bis XL. Aber wie ungewöhnlich es ist, dass eine gelernte Schreinerin ihr Geld mit Kleidung verdient, gibt es noch ein weiteres - einerseits typisches, anderseits untypisches Produkt zu kaufen. Typisch, weil es von Frau für Frau gemacht ist. Untypisch, weil es aus Metall ist.
Die Rede ist von einem so genannten Bagbutler. Also kleine, geformte Haken, an denen die Frau im Restaurant ihre Handtasche an den Tisch hängen kann, damit der Kellner nicht ständig darüber stolpert und natürlich, damit die Frau ihre Tasche jederzeit im Blick hat. Aber der Taschendiener ist nicht nur für die eigentliche Seele einer Frau geeignet. Man kann auch seine Jacke, den Schlüssel oder was immer man möchte, daran aufhängen.
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