Erstellt 05.03.09, 21:31h, aktualisiert 05.03.09, 21:58h
Einmal habe ich Weiberfastnacht in Köln erlebt, und ich finde es faszinierend, wie eine ganze Stadt in so einen Ausnahmezustand verfallen kann. Es war eine fröhlich-chaotische Nacht, aber jedes Jahr brauch ich das nicht.
Aber bei den Prinzen geht es doch auch immer lustig zu, oder?
Wir machen auch Lieder mit politischem Hintergrund, um Denkanstöße zu geben. Die derzeitige Finanzkrise zum Beispiel verfolge ich mittlerweile etwas ratlos und verstört im Hinblick auf die Verstaatlichungen.
Was macht aus Ihnen einen schlecht gelaunten Prinzen?
Nazis! In Dresden war ich auf einer Gegendemonstration. Ich finde es erschreckend, wenn 6000 Neonazis die Straßen herunterlaufen. Aber egal, wie groß die Angst ist, man muss zur öffentlichen Gegenwehr greifen.
Woher nehmen Sie die Energie, auch nach 15 Jahren weiter zu machen?
Meine Arbeit macht mir Spaß. Es geht mir nicht darum, einen Nummer-eins-Hit zu landen, ich möchte anderen eine Freude bereiten. Langweilig wäre es, wenn die Prinzen sich nie neu erfinden würden. Aber wir schlagen immer wieder neue Richtungen ein, das macht die Sache interessant.
Was verhindert, dass Sie vor lauter Erfolg abheben?Am Anfang hebt jeder ab. Ständig klopft dir einer auf die Schulter und sagt, dass du ein toller Hecht bist, und das Publikum jubelt dir zu - aber das birgt auch viele negative Seiten. Und so sagen wir uns auch gegenseitig „Hier, komm mal wieder runter“.
Und wie machen Sie das?
Ich lese gerade ein Buch über die Mafia, und auch „Noch eine Runde auf dem Karussell“ von Tiziano Terzani hat mir sehr gut gefallen. Ansonsten finde ich es toll zu reisen und fremde Kulturen kennen zu lernen. Bandkollege Tobias Künzel lebt mittlerweile in London, und da kann man natürlich wunderbar shoppen.
Sie verbringen sehr viel Zeit mit den Prinzen. Wann nehmen Sie voneinander Abstand?
Die Geburtstage feiern wir schon zusammen, aber an Weihnachten zieht man sich doch mit der Familie zurück. Es ist wie in einer Ehe: Jeder braucht mal ein bisschen Zeit für sich, dann freut man sich auch wieder aufeinander.
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