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Interview mit T.C. Boyle

„Das Leben macht dich fertig“

Erstellt 11.03.09, 19:58h

Mit dem Architekten Frank Lloyd Wright stößt T.C. Boyle im neuen Roman „Die Frauen“ wieder mal einen Halbgott vom Sockel. Boyle liest am 21. März im Theater am Tanzbrunnen - und beantwortete die Fragen von Brigitte Schmitz-Kunkel.

T.C. Boyle
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T.C. Boyle (Bild: dpa)
T.C. Boyle
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T.C. Boyle (Bild: dpa)

Ihr neues Buch handelt vom Architektur-Genie Frank Lloyd Wright, heißt aber „Die Frauen“ - das wirkt fast ein bisschen fies. War er für Sie nur das, was seine vier Frauen aus ihm gemacht haben?

Überhaupt nicht. Ich lebe ja selbst in einem wunderbaren Haus, das Wright vor hundert Jahren entworfen hat. Aber ich bin an der Geschichte in der Geschichte interessiert. Man man sieht ihn durch die Augen der verschiedenen Frauen in einer anderen Perspektive als es eine klassische Biografie leisten könnte.

Sie konnten sich immer schon frappierend gut in die komplizierten weiblichen Seelenlagen hineinversetzen. Woher haben Sie eigentlich die profunden Kenntnisse über Frauen?

Von meiner eigenen...

Die Morphinistin Miriam ist ein ganz starker Charakter. Die Frau ist vollkommen durchgeknallt, aber am Ende hat man wirklich Mitleid mit ihr. Mögen Sie Miriam?

Oh ja, ich empfinde eine enorme Sympathie für sie. Sie wird zum Zentrum der ganzen Geschichte; eine zutiefst konfliktbeladene Frau, die unbedingt im Mittelpunkt stehen will - genau wie ihr Mann. Das kann nur zu einer Tragödie führen und hoffentlich auch zu Mitgefühl.

Alle Ihre berühmten Helden - Kellogg, Kinsey, nun Frank Lloyd Wright - haben eine dunkle Seite, sind egozentrisch und ein bisschen feige. Was macht Sie neugierig auf solche Exzentriker?

Ich denke mal, dass Schriftsteller auch so sind: Kontrollfreaks, Egoisten, Narzissten. Außer mir, natürlich.

Am Ende Ihrer Bücher gibt es oft nur Verlierer, und auch hier scheint das Leben eine einzige Kette von Katastrophen zu sein. Dennoch sind Ihre Romane rasend komisch - ist Lachen für Sie die Methode, dem Leben die Stirn zu bieten?

Tja, das Leben macht dich fertig. Von der Geburt bis zum Tod ist alles Verfall, das Universum ein Mysterium und wir ein Unfall. Wo bleibt da die Freude? Ich lache mich, genau so wie Sie, kaputt über diesen kranken kosmischen Gag, in dem wir mitspielen müssen.

„Die Frauen“ haben eine sehr komplexe Struktur: Ihr Erzähler Tadashi Sato schildert die ganze Geschichte quasi rückwärts, und jede Frau Wrights leitet am Ende ihrer Ehe zu ihrer Vorgängerin über. Wie sind Sie darauf gekommen?

Die Struktur ergibt sich quasi organisch daraus, wie sich die Geschichte allmählich aufriffelt. Ich hoffe, dass das beim Lesen richtig Spaß macht. Ich will aber auch, dass man sich Gedanken über die Authentizität dessen macht, worüber erzählt wird. Wie viel etwa glauben wir Tadashi? Immerhin erfährt man ja über ihn, dass er sich über seinen geschriebenen Anteil hier vielleicht etwas vormacht im Verhältnis zum Beitrag seines Schwiegersohns, dem Romanautor OFlaherty-San.

Im Roman spielen Fußnoten eine wichtige Rolle - hatten Sie damit besonders viel Spaß?

Ja, absolut. Manchmal spiegeln sie Tadashis Verwirrung und Ungeduld mit dem Text wider - und da muss ich, Entschuldigung, aber ich kann nicht anders - jedes Mal selbst laut lachen. Und dann dienen sie manchmal dazu, den Leser staubtrocken über bestimmte Fakten zu informieren - dafür sind Fußnoten ja auch da.

Kürzlich gaben Sie zu, vom Schreiben besessen zu sein. Was erwartet uns als nächstes?

Für mich ist das Schaffen von Kunst wirklich eine Obsession, ein Zwang. Und die einzige Möglichkeit für mich, der Welt einen Sinn zu geben. Nächstes Jahr gibt es eine neue Sammlung von 14 Erzählungen mit dem Titel „Wild Child“. Und ich bin schon zu Zweidritteln durch mit dem nächsten Roman, der im Jahr darauf erscheint. Er spielt in der Gegenwart und knüpft an die ökologischen Themen von „Ein Freund der Erde“ und „America“ an.

Ihre Lesungen sind legendär, und die Kölner amüsieren sich gern. Das passt bestimmt gut?

Die Kölner gehören zu meinen liebsten Zuhörern, wir kennen uns schon lange. Ich höre wirklich nichts lieber als Gelächter. Bei einer Lesung kommt es ja nicht so auf Nuancen an, die kann man sich aufheben, bis man mit dem Buch zu Hause im eigenen Bett liegt. Für mich gibt es da trotz allem einen Unterschied zwischen einer Performance und dem geschriebenen Text.



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