Erstellt 12.03.09, 21:06h, aktualisiert 13.03.09, 09:43h
Da gebe ich unterschiedliche Antworten, im Gegensatz zu Leo habe ich mir da keinen Standardsatz zurechtgelegt. Oft sage ich, dass ich die Einfälle aus der Zeitung stehle.
Und was stimmt tatsächlich?Die Badewanne. Aber das würde ich nie zugeben.
Demselben Autor Leo entgleitet in der Geschichte „Rosalie geht sterben“ die Handlung völlig. Inwieweit entwickeln Ihre Geschichten beim Schreiben ein Eigenleben - oder haben Sie die Geschichte von Anfang an komplett im Kopf?Ich habe sie ziemlich komplett im Kopf, aber oft entwickeln die Dinge sich dann ganz anders. „Rosalie geht sterben“ ist eine Geschichte, die alle Karten offen legt. Es ging mir beim Schreiben tatsächlich so, wie ich in der Geschichte sage, dass es mir beim Schreiben ging. In dem Fall liegt das Geheimnis wirklich in der völligen Ehrlichkeit.
In „Ruhm“ geht es viel um das Schreiben, das Schaffen neuer, eigener Welten. Da liegt die Frage nahe: Wie viel steckt von Daniel Kehlmann in den Figuren?Viel - aber noch mehr steckt in der Atmosphäre, in der Luft, im Licht, im Tonfall des Buches. Das bin wirklich ich.
Nach einem Welt-Bestseller wie „Die Vermessung der Welt“ gibt es enorme Erwartungen von Lesern und Kritikern an den Nachfolgeroman. Wie begegnen Sie diesem Druck?Ich begegne dem Erfolgsdruck nicht, denn wenn ich ihn ignoriere, existiert er nicht. Das beste am Erfolg ist doch die Freiheit, die er einem verschafft.
Sie selbst haben inzwischen enormen Ruhm erlangt, auf der Straße werden Sie aber weniger erkannt - ebenfalls ein Thema in Ihrem neuen Roman. Wie gehen Sie denn ganz persönlich mit Ihrem Erfolg um?Wie Woody Allen - mit gnadenloser Selbstverspottung. Außerdem: Es sind schon andere mit Erfolg fertig geworden, ohne daran zu zerbrechen. Dann kann ich das vielleicht auch.
In anderen Interviews haben Sie Ihr neues Werk als „eine Art Gegenbuch“ zur „Vermessung der Welt“ bezeichnet. . .Vielleicht ist „Ruhm“ in der Tat eine Art Gegenentwurf zu dem sehr abgerundeten Kosmos der „Vermessung der Welt“, ein Rückgriff auf die Avantgarde. Man muss immer versuchen, etwas zu machen, das für einen selbst neu ist.
Zuvor hatten Sie ein Buchprojekt wieder zur Seite gelegt. Arbeiten Sie an etwas Neuem?Ich arbeite an etwa zwölf neuen Dingen. Das genau ist das Problem.
Sie werden mal als Fan von Philip Roth, mal von Vladimir Nabokov bezeichnet. Welche literarischen Vorbilder haben Sie, und welches Buch lesen Sie gerade?Man kann doch ein Fan von beiden sein oder? Im Augenblick lese ich die englische Übersetzung - die deutsche ist noch nicht fertig - von Roberto Bolanos Meisterwerk „2666“. Posthum veröffentlicht, ein Roman, der Literaturgeschichte schreiben wird.
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