Von Manfred Reinnarth, 15.03.09, 22:00h, aktualisiert 16.03.09, 21:54h
Bauaufsicht wurde weitergereicht
Bislang liegen der Stadt nur die Bücher für die unterirdischen Bauwerke „Waidmarkt“ und „Heumarkt“ vor. Am Heumarkt seien 18 statt nur 12 Brunnen gebohrt worden. Allerdings seien andere Brunnen „verockert“, also durch einen hohen Eisenanteil verstopft gewesen. Am Heumarkt sei nicht mehr Wasser als erlaubt gefördert worden.
KVB-Technikvorstand Walter Reinarz will von der illegalen Wasserförderung erst nach dem Unglück durch die Dezernentin erfahren haben. „Dem Vorstand war durch eine Mehrkostenanzeige lediglich bekannt, dass mehr Brunnen gebaut werden sollten. Das muss aber nicht unbedingt eine höhere Wasserförderung bedeuten, und die Anzeigepflicht auch für die zusätzlichen Brunnen oblag der Baufirma, nicht den KVB.“ Reinarz räumte aber auch ein, dass mehr Wasser als geplant anfiel. Dass es aber auch mehr als genehmigt gewesen sei, hätten die KVB nicht gewusst.
Das städtische Amt begnügte sich derweil mit Meldungen der Baufirma. Jedes halbe Jahr ist laut Bredehorst die Qualität des in den Rhein abgeleiteten Wassers der Stadt zu melden gewesen, jedes Vierteljahr habe die Bezirksregierung einen Mengenbericht erhalten müssen.
Bredehorst betrachtet die Wasserrechtlichen Genehmigungen nicht unter dem Aspekt der Sicherheit für die Bauarbeiten, sondern rein unter Umweltgesichtspunkten. „Wir können noch nicht sagen, dass die Umwelt geschädigt wurde, nur weil mehr Brunnen gebaut wurden.“ Am 12. März habe ihr Amt die Brunnenbücher erhalten und sofort am Montag darauf der Staatsanwaltschaft übergeben. Das Bekanntwerden erhöhter Förderwerte hätte unmittelbar zu einem Baustopp, mindestens aber zu einer Prüfung geführt, erläuterte Bredehorst.
Die Bauaufsicht lag laut Baudezernent Bernd Streitberger nur ursprünglich bei der Bezirksregierung Düsseldorf. Diese habe sie an die Stadt delegiert, welche sie der KVB weiter übertragen habe. Streitberger: „Ich gehe davon aus, dass die KVB sie an die Baufirma weitergegeben haben. Das ist auch üblich.“
Stefan Hertwig, der die KVB juristisch vertritt, stellte klar: „Die Baugrube wurde von den Firmen des Bauloses Süd geplant und diese hatten auch die Verkehrssicherungspflicht.“ Zivilrechtlich könnten die KVB nur für ein Auswahlverschulden bei der Ausschreibung haftbar gemacht werden oder für den Fall, dass sie Kenntnis über fehlerhafte Arbeiten gehabt habe. Letzteres sei jedoch bis heute nicht der Fall. Und die europaweite Ausschreibung mit einer Vergabe an europaweit tätige und renommierte Baufirmen sei auch nicht zu beanstanden.
Die KVB stellen derzeit ein „Beschleunigungskonzept“ für alle sicherheitsrelevanten Arbeiten in den anderen Baugruben auf der Trasse der Nord-Süd-Stadtbahn auf. „Auch am Rathaus ist die Sohle nicht komplett. Sie soll am 23. März gegossen werden.“
Vorwürfe des früheren Kölner Baudezernenten Bela Dören in der Süddeutschen Zeitung, wonach aus Sparsamkeit keine Unterwasserbetonage oder Vereisung gewählt wurde, kommentierte sein Nachfolger Bernd Streitberger: „Das verwundert mich insofern, als zu seiner Amtszeit die Stadt noch die Planungshoheit hatte, und diese Pläne dann von den KVB so weitergeführt wurden.“ 12 der 40 städtischen Stadtbahnbauexperten seien nach dem Übertragen der Bauträgerschaft auf die KVB im Jahr 2002 zu den KVB gewechselt. „Es ist interessant, dass es beim Bau der Nord-Süd-Stadtbahn alle drei Bauverfahren gab: Graben mit Wasserhaltung, Betonieren mit Tauchern und Vereisung. Die Entscheidung fiel in einem Koordinatensystem aus Sicherheit, Kosten und Bauablauf.“
Von Bauarbeitern kursieren widersprüchliche Darstellungen, wie sie das Unglück in der Grube erlebten. Während es bislang stets hieß, das Wasser sei an der Wand von unten aufgestiegen, lassen neue Berichte die Möglichkeit offen, dass es einen Schaden an der ein Meter dicken und stahlarmierten Betonwand im Boden vor dem Archiv gegeben haben könnte. „Trotz mehrfacher Aufforderung haben wir dazu aber noch keinen Bericht erhalten und hatten auch keine eigenen Leute in der Grube“, sagte Reinarz.
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Grundwassereinbruch
16.03.2009 | 09.21 Uhr | Karl.Madinsky
Wundert es die " Fachleute "gar nicht, das die in der Baugrube arbeitenden Mitarbeiter innerhalb von Sekunden wussten, das das plötzliche…
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