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Milchwirtschaft

Verlustgeschäft Milch

Von Detlev Fechtner und Hendrik Varnholt, 17.03.09, 20:13h, aktualisiert 19.03.09, 17:05h

Seit dem Zweiten Weltkrieg ist Butter in Deutschland nicht mehr so billig gewesen. Für ein 250-Gramm-Päckchen bezahlten die Deutschen im Februar durchschnittlich nur 66 Cent, wie die Zentrale Markt- und Preisberichtsstelle ermittelt hat.

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Schlechte Marktlage für das Milchgeschäft. (Bild: dpa)
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Schlechte Marktlage für das Milchgeschäft. (Bild: dpa)
BRÜSSEL/KÖLN - So billig wie heute ist Butter seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gewesen. Für die Bauern bedeutet das ein Verlustgeschäft: Sie erhalten derzeit höchstens 25 Cent für jedes Kilo Milch - bei Kosten von mindestens 30 Cent für die Herstellung der gleichen Menge.

Das Problem haben inzwischen auch die EU-Regierungen erkannt. Sie wollen, dass auch die Milchwirtschaft vom gemeinsamen europäischen Konjunkturpaket profitiert. Wie es in Brüssel heißt, soll es zum Beispiel für Bauern, die auf der Alm oder in Moorgebieten Kühe halten, ihre Tiere mehrere Monate im Jahr weiden lassen oder in den Neubau von Ställen investieren, mehr Geld geben. Unterm Strich könnten zusätzliche Hilfen in Höhe von 90 Millionen Euro für Deutschlands Landwirte herausspringen.

Dabei fallen die Proteste der Bauern derzeit anders als vor Jahren verhalten aus. Der Vorsitzende des Fachausschusses Milch beim Rheinischen Bauernverband, Wilhelm Neu, übt gar Selbstkritik. Die Preise seien im Jahr 2007 zu schnell und zu stark gestiegen, sagt er. „Bei den nächsten Preissteigerungen kommt es darauf an, die Verbraucher mitzunehmen.“ Angesichts hoher Preise bis zum vergangenen Jahr verzichteten viele Konsumenten noch immer auf Milchprodukte. Zudem hätten viele industrielle Milchabnehmer ihre Produktion etwa auf die Verarbeitung von Pflanzenfett umgestellt.

„Die Lage ist mittlerweile auch für Großbetriebe kritisch“, sagen angesichts dessen Brüsseler Diplomaten. Milchbauer Neu spricht von Preisausschlägen, die immer größer würden. Noch vor einem Jahr hätten die Milcherzeuger hohe Gewinne verzeichnet. „Milch ist ein Spekulationsobjekt geworden“, sagt er. Ihr Preis werde etwa von neuseeländischem Milchpulver, das im Internet zu ersteigern sei, beeinflusst.

Längst blicken die Landwirte also nicht mehr nur nach Brüssel. Ihr Interesse gilt der Preisentwicklung in aller Welt - und in den Kühltheken der Discounter. Dort sieht Neu nach eigenen Worten Anlass zur Sorge. Die Billighändler unterböten sich derzeit wieder bei den Preisen, sagt er. Auffällig nennt Neu, dass die Discounter häufig gleichzeitig ihre Preise senken. Deshalb sei das Bundeskartellamt gefordert. Die Wettbewerbshüter müssten das Geschäftsgebaren der Handelsketten untersuchen.

Gesunde Lebensmittel seien nicht auf Dauer zum Schnäppchenpreis zu bekommen, sagt auch Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner. Sie rät zudem den deutschen Milchbauern, sich stärker auf Qualitätsprodukte zu verlegen. „Eine Exportstrategie funktioniert mit Markenprodukten, nicht mit Magermilchpulver.“




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