Erstellt 25.02.09, 18:27h
"Je individueller, desto besser kommen Glückwünsche an", sagt der Redenschreiber Frank Rosenbauer aus Kirchen bei Siegen, der einen Ratgeber zum Thema verfasst hat. Zum Geburtstag eines Verwandten biete es sich an, eine Anekdote von früher zu schildern und daran die Glückwünsche aufzuhängen. "Oder ich suche mir bemerkenswerte, positive Eigenarten des Menschen heraus - etwas, das denjenigen besonders macht."
Das gelte auch im Kollegenkreis: Hat das Geburtstagskind ein außergewöhnliches Hobby oder kommt es aus einer bestimmten Gegend, ist das ein geeigneter Einstieg. Auch Zitate bieten sich an -berühmte und möglicherweise nur ihm bekannte: "Schaut der Glückwunsch-Empfänger gern Boxkämpfe, könnte man zum Beispiel Max Schmeling oder Henry Maske zitieren", rät Rosenbauer. Je nach der Vertrautheit können die Glückwünsche auch lustig sein. "Bei Geschäftspartnern und Kunden sind dagegen förmliche Grüße besser."
Auch beim Chef sollte der Text nicht allzu persönlich sein, sagt der Stiltrainer Jan Schaumann aus Berlin. Es reiche meist, gute Gesundheit zu wünschen. Bevor man dem Chef aber einen persönlichen Gruß schreibt, fragt man besser im Kollegenkreis nach, ob nicht schon eine gemeinsame Karte zum Unterschreiben kursiert. "Eine einzelne Karte bringt einen dann ganz schnell in Misskredit." Wer ein besonderes Verhältnis zum Chef hat, gratuliert ohnehin besser persönlich.
Wenige Sätze reichen
Ob Chef, Kollege oder Schwester: Der Text sollte eher kurz und individuell sein statt lang und voller Floskeln. "Drei bis vier Sätze reichen absolut, der Empfänger bekommt ja meist eine Flut von Glückwünschen", sagt Rosenbauer. Ist ein schöner Grußtext gelungen, wächst die Versuchung, ihn im nächsten Jahr erneut zu verwenden. Das sollten unkreative Schreiber besser vermeiden, rät aber Benimmtrainer Alfred F. Schmidt aus München. "Ich schreibe mir die Glückwünsche jedes Jahr auf, um nicht noch einmal dasselbe zu schreiben."
Zu allgemeinen Feiertagen wie Weihnachten, Neujahr oder Ostern darf aber ruhig ein einziger Grußtext für mehrere Freunde oder Kollegen herhalten. Durch einen persönlichen Einstieg und einen individuellen Gruß am Schluss lässt sich aus einem Baustein schnell ein individueller Glückwunsch formen.
Für das Betriebsjubiläum reiche eine Glückwunschkarte oft nicht aus - eher sei eine Rede angebracht, sagt Schaumann. Regel Nummer eins lautet dabei: "Positiv reden." Alte Missgeschicke und Peinlichkeiten sollten verschwiegen, Stärken und besondere Fähigkeiten hervorgehoben werden. "Das Betriebsjubiläum ist ein Ehrentag, an dem Tag sollte der Mensch auch geehrt werden." Einen Anlass für eine Rede bietet auch die Hochzeit.
Ob Brautvater oder Trauzeuge - eine gute Rede ist nicht nur wohldurchdacht, sondern auch einstudiert, sagt Rosenbauer. Eine Rede erfordert also Übung, am besten vor dem Spiegel. Wichtig sei es, nicht zu schnell zu reden und Sprechpausen einzulegen. Und für die Rede gelte dieselbe Regel wie für den Glückwunsch: Nicht zu lang, lieber kompakt. Außerdem muss der Zeitpunkt für die Rede stimmen: "Es macht wenig Sinn, bei einer Feier vor dem Hauptgang zu reden", sagt Schmidt. Denn Zuhörer seien weitaus aufnahmefähiger, wenn der Hunger gestillt ist.
Literatur: Frank Rosenbauer: Grüße und Glückwünsche - Wie sage ich's richtig?, Haufe, ISBN 978-3-448-07911-1, 6,90 Euro.
(dpa)
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