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Einsturz des Stadtarchivs

Tod innerhalb von zwei Sekunden

Von Daniel Taab, 08.03.09, 15:52h, aktualisiert 08.03.09, 22:10h

In der Nacht zum Sonntag ist eine Leiche unter den Trümmern des Kölner Stadtarchivs geborgen worden. Zweifelsfrei handelt es sich um den 17-jährigen Bäckerlehrling, der seit dem Unglück verschwunden war. Von einem zweiten Vermissten fehlt noch jede Spur.

Einsturz Stadtarchiv
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Die Suche nach den Vermissten gestaltet sich schwierig. Die Trümmer sind immer noch instabil. (Bild: dpa)
Einsturz Stadtarchiv
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Die Suche nach den Vermissten gestaltet sich schwierig. Die Trümmer sind immer noch instabil. (Bild: dpa)
Köln - Das Wunder blieb aus. Sichtlich bewegt sprach Kölns Leitender Polizeidirektor Dieter Klinger gestern diesen Satz. Denn seit dem frühen Sonntagmorgen ist die schlimmste Befürchtung Gewissheit. Der vermisste 17-Jährige ist tot. „Wir haben ihn zweifelsfrei an seinen Fingerabdrücken identifiziert. Er war sofort tot“, betonte Kriminaldirektor Tobias Clauer.

Zwei Angehörige des jungen Mannes identifizierten den 17-Jährigen außerdem in der Leichenhalle der Gerichtsmedizin. Feuerwehrchef Stephan Neuhoff sagte, dass der Jugendliche in „vielleicht zwei Sekunden“ von den Trümmern erschlagen wurde. Die Überlebenschancen seien gleich Null gewesen. Einen Hohlraum habe es dort nicht gegeben.

Es war Punkt 4 Uhr Sonntagmorgen, als die Einsatzkräfte den leblosen Körper des 17-Jährigen auf eine Bahre legten. 19 Minuten später fährt der Leichenwagen in Richtung der Kölner Rechtsmedizin am Melatenfriedhof.

Feuerwehrchef Stephan Neuhoff gab gestern Mittag im Polizeipräsidium weitere furchtbare Details des Unglücks vom Dienstag bekannt. „Der Jugendliche ist beim Absturz 16 Meter in die Tiefe gestürzt. Er lag unterhalb des Kellerbodens“.

Zuerst habe ein Mitarbeiter der Freiwilligen Feuerwehr gegen 1 Uhr in der Nacht eine Hand gesehen. Dann legten die Einsatzkräfte nach und nach den Kopf, die Arme und den ganzen Leichnam frei. Bei der Katastrophe sei der junge Mann durch die Wucht des Geschehens vom hinteren in den vorderen Teil des Hauses geworfen worden.

Die Polizei geht davon aus, dass der 17-Jährige geschlafen hat, als das Haus über ihm zusammenbrach. Der Lehrling habe seine Arbeitsstelle um 8 Uhr verlassen, habe sich dann noch mit einem befreundeten Hausbewohner unterhalten und sich dann ins Bett gelegt, berichtete Kriminaldirektor Clauer weiter.

Ein Kradfahrer der Kölner Polizei, der kurz nach dem Einsturz auf der Severinstraße war, gab den Ermittlern wertvolle Hinweise. Er sagte, dass zuerst das Historische Archiv und dann das Nachbarhaus Nr. 230 einstürzte. „Dadurch wussten wir, dass wir auf dem Gelände des Mehrfamilienhauses und nicht auf dem Areal des Archivs suchen müssen“, sagte Feuerwehrchef Neuhoff.

Nach dem zweiten Vermissten, einem 24 Jahre alten Designstudenten, wurde weiter fieberhaft gesucht. „Es wird ohne Ende Schutt abgetragen und gesucht“, sagte ein Feuerwehrsprecher. Spürhunde laufen über das Trümmerfeld, manchmal bellen sie. Einmal schlug am Vormittag ein Rettungshund wieder an. Aber das ist nicht immer ein eindeutiger Hinweis auf einen Fund. „Die Tiere schlagen bei allem an, was nach Mensch riecht“, sagte ein Feuerwehrsprecher. Da in dem Schutt jedoch viele Kleidungsstücke liegen, seien die speziell geschulten Hunde möglicherweise manchmal falsch orientiert.

Noch am frühen Sonntagmorgen waren Freunde und Bekannte des 24-Jährigen an die Einsturzstelle gekommen und hofften auf eine Rettung. Wann Khalil gefunden werden könnte, konnte Neuhoff nicht einschätzen. „Vielleicht in fünf Minuten, vielleicht morgen“, so der Branddirektor. Nach den Recherchen der Einsatzkräfte könnte der 24-Jährige in dem Trümmerberg nahe der Severinstraße liegen. Sollte der Vermisste dort nicht gefunden werden, könnte er in einer Grube mit Baggerteilen, Lkw-Teilen, Geröll und Schutt liegen. Sofern dies der Fall ist, sieht Neuhoff keine Möglichkeit, den 24-Jährigen schnell zu finden.

Weitere Personen befürchtet die Feuerwehr nicht unter den Trümmern. Mit absoluter Sicherheit könne dies aber erst gesagt werden, „wenn jeder Stein umgedreht ist“, so Neuhoff. Anfangs hatte es geheißen, dass ein vermutlich mit zwei Personen besetztes Fahrzeug womöglich unter den Trümmern begraben sei. Doch außer den beiden jungen Männern gab es bei der Polizei keine weiteren Vermisstenmeldungen.

Für alle Betroffenen ist ein Spendenkonto eingerichtet worden. Unter dem Stichwort "Severin" kann auf das Konto 1903 1904 19 bei der Sparkasse KölnBonn, BLZ 37050198 eingezahlt werden.



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