Erstellt 21.03.09, 14:37h
Bei den wochenlangen Bauernprotesten im Mai und Juni 2008 lieferte ein Teil der Landwirte keine Milch mehr an die Molkereien. Vereinzelt kam es auch zu Blockaden von Molkereien. Große Handelskonzerne hoben auf Druck der Bauern die Milchpreise an. Die nachgebesserten Verträge der Molkereien mit den Handelsriesen liefen aber schon nach wenigen Monaten wieder aus. Im November 2008 begannen Handelskonzerne mit umfangreichen Preissenkungen bei Milchprodukten. Neben Milch, Butter und Schlagsahne wurde inzwischen auch Käse für die Verbraucher billiger. "Für die Konsumenten in Deutschland ist Butter gegenwärtig so billig wie im Jahr 1948", verdeutlichte Pauw den Preissturz.
Der Preisverfall sei existenzgefährdend. "25 Cent je Liter reichen nicht einmal, um die Produktionskosten zu decken. Da kann man nicht von leben und erst recht nicht investieren", verdeutlichte Pauw. Wenn der Auszahlungspreis der Molkereien nicht bald steige, könnten sich viele Landwirte so in ihrer Existenz bedroht sehen, dass sie sich zur Aufgabe der Milcherzeugung entscheiden. "Wir haben in den vergangenen Jahren ohnehin drei bis fünf Prozent der Betriebe pro Jahr verloren", schilderte Pauw die Situation in Nordrhein-Westfalen. Die in Bayern geplante Hilfe für die dortigen Milchbauern, die 25 Euro für jedes Tier bekommen sollen, sei bislang ein Einzelfall in Deutschland.
Die angespannte wirtschaftliche Situation der Milchbauern ergebe sich aus vielen Negativfaktoren. "Der Milchmarkt ist übervoll. An dieser Situation hat sich nichts geändert seit dem Jahreswechsel." Die Exporte der deutschen Milchwirtschaft liefen schlecht, weil auf dem Weltmarkt für Milchprodukte Konkurrenten auf dem Vormarsch seien. "Die USA exportieren mehr als jemals zuvor", schilderte Pauw. Hinzu komme in Deutschland der Konkurrenzkampf der Handelskonzerne, die das Überangebot für Preissenkungen nutzten. Zu dem Überangebot auf dem Milchmarkt würden auch jahreszeitliche Effekte beitragen: In den Monaten März bis Mai sei die Milchleistung der Kühe am höchsten.
(dpa)
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