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Kölner Stadtarchiv

Noch mehr illegale Brunnen entdeckt

Von Christian Deppe, 24.03.09, 21:59h, aktualisiert 26.03.09, 19:11h

Das Rätseln über das Ausmaß der Katastrophe nimmt kein Ende. Die Zahl der nicht genehmigten Bohrungen bezifferte die Untere Wasserbehörde nun auf 19. Auf einer Pressekonferenz vor über einer Woche war dagegen noch von elf unerlaubten Brunnen die Rede.

Bauschutt
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Arbeitsstelle Unglücksort: Hunderte Helfer kämpfen sich immer noch durch den Bauschutt. (Bild: dpa)
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Arbeitsstelle Unglücksort: Hunderte Helfer kämpfen sich immer noch durch den Bauschutt. (Bild: dpa)
Köln - Ein Fass ohne Boden möchte man angesichts der „wunderlichen Brunnenvermehrung“ in der Baustelle am Waidmarkt vermuten. Die Zahl der nicht genehmigten Bohrungen bezifferte die Untere Wasserbehörde der Stadt gestern auf 19, nachdem sie auf einer Pressekonferenz vor über einer Woche noch von elf unerlaubten Brunnen gesprochen hatte. Die früheren Erkenntnisse hatte sie aus den Brunnentagebüchern gewonnen, die neuen nun bei der Durchsicht von Bauunterlagen, die ihr seitens der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) zwischenzeitlich zur Verfügung gestellt worden waren. Das Kölner Umweltamt hat die KVB und die Arbeitsgemeinschaft der bauausführenden Firmen (Arge) aufgefordert, weitere Informationen vorzulegen, um die Ungereimtheiten aufzuklären.

Wie viel Wasser gepumpt wurde, ob die Brunnen tatsächlich und gleichzeitig in Betrieb waren, konnte die Stadt noch nicht beantworten. Mindestens einer der genehmigten Brunnen müsse später stillgelegt worden sein. Aber dafür, dass bei den weiteren Untersuchungen nicht auch noch weitere ungenehmigte Brunnen auftauchen, mochte bei der Stadt gestern auch niemand die Hand ins Feuer legen. Auf die Frage, warum so viele Bohrungen ohne behördliche Genehmigung gesetzt wurden, bleiben das Unternehmen Brunnenbau Conrad und der Baukonzern Bilfinger Berger, die beide am Waidmarkt tätig waren, seit Tagen eine Antwort schuldig.

Ob die Wasserhaltung im Zusammenhang mit dem Einsturz des Stadtarchivs steht, ist noch unklar. Aber schon nach der ersten Veröffentlichung hatten Experten die große Zahl zusätzlicher Brunnen wie auch die vor über einer Woche genannte, überhöhte und so nicht genehmigte Menge des abgepumpten Wassers (bis zu 210 statt 125 Liter pro Sekunde) als alarmierende Zeichen gewertet. Es könnte nach ihrer Meinung am Waidmarkt in Folge der immensen Pumpleistung zum „hydraulischen Grundbruch“ gekommen sein, bei dem von unten Wasser und Boden in die Baugrube eingedrungen sind, so dass das gesamte Erdreich in Bewegung geraten ist.

Der Bau so vieler ungenehmigter Brunnen werde sicherlich ein „sattes Bußgeld“ nach sich ziehen, meinte Kölns Umweltdezernentin Marlis Bredehorst. Auch in der Stadtbahn-Baustelle am Heumarkt waren mehr Brunnen gebaut worden als genehmigt, 18 statt zwölf. Für die Bauüberwachung genau dieser beiden Baustellen zeichneten die KVB verantwortlich, die sich gestern nicht zu dem Sachverhalt äußerten. SPD und Grüne erwägen, die Bauüberwachung vom Bauherren, der sie zum Teil auch noch an Firmen weitergab, wieder zurück in die Hände der Stadt zu legen. „Es kann nicht sein, dass diejenigen, die bauen, sich auch selbst kontrollieren“, sagt Grünen-Fraktionsvorsitzende Barbara Moritz. Das Unglück war gestern auch den Grünen im Landtag Anlass, die Verschmelzung von Bauherrenschaft und sämtlicher Kontrollfunktionen in Frage zu stellen.

Rot-Grün in Köln will in einer der nächsten Ratssitzungen beantragen, dass die Bauüberwachung bis zum Ende der Arbeiten vom Amt für Brücken und Stadtbahnbau übernommen wird. Moritz räumte ein, dass zuvor noch viele Fragen etwa hinsichtlich der rechtlichen oder personellen Folgen geklärt werden müssten. Beide sieht CDU-Fraktionschef Winrich Granitzka als unüberwindbares Hindernisse: „Nicht machbar“. Die FDP hat indes „Sympathie“ für die Idee, verweist aber auch auf weiteren Klärungsbedarf.



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