Von Jan Wördenweber, 27.03.09, 21:58h
Es passte ins Bild, dass der Vorstand um Peter Krücker spontan ein Dutzend Demonstranten ins Domforum einlud, die Hartz IV und eine „ungerechte Wirtschaftsordnung“ als Ursache von Armut sehen. Diese jedoch störten durch Zwischenrufe, später durch Klopfen gegen die Fensterscheiben die Veranstaltung, so dass sich die Organisatoren gezwungen sahen, die Polizei zu rufen.
Den Vorwurf der Demonstranten, die Caritas profitiere von der Armut, indem sie Ein-Euro-Jobber beschäftige, wollte Axel Pulm nicht stehen lassen. „Es handelt sich dabei um Wiedereingliederungsmaßnahmen, die wir begleiten. Wir versuchen, den Betroffenen zu helfen“, sagte der Leiter der Beschäftigungsstelle gegenüber der Rundschau. Gleichwohl sei ein Ein-Euro-Job nicht immer das richtige Mittel. „Einem Drogensüchtigen ist mit einem Ein-Euro-Job nicht geholfen.“ Auch wäre in einigen Fällen eine bessere Bezahlung als Motivationshilfe angebracht.
Im Beisein zahlreicher Gäste, darunter Wolfgang Birkholz, Geschäftsführer des Heinen-Verlages, der die Rundschau-Altenhilfe „Die GUTE TAT“ vertrat, schilderten Mitglieder des Sozialdienstes Katholischer Männer (SKM) die Lebensgeschichten dreier Obdachloser. Viel Beifall erhielten die Kinder der Pantomime-Gruppe des SKM-Zentrums Vingst. Vorlage für ihre Aufführung war ein Text von Erich Kästner: „Lasst euch die Kindheit nicht austreiben!“
Caritas-Vorstand Peter Krücker begrüßte unter anderem Stadtdechant Johannes Bastgen, seinen Vorgänger Prälat Johannes Westhoff, Stadtsuperintendent Rolf Domning sowie Vertreter aus Politik und Verwaltung, wie etwa Sozialdezernentin Marlis Bredehorst. Krücker verlas zudem die Ansprache von Caritas-Direktor Pfarrer Franz Decker, der wegen eines Bandscheibenvorfalls verhindert war. Darin kritisiert Decker die „zynische Form des Hungerlohns“ und verweist darauf, dass immer mehr Männer und Frauen arbeiten und dennoch Transferleistungen benötigen: Ihr Lohn reicht nicht aus, um die eigene Existenz und die ihrer Kinder zu sichern. Decker forderte, die Regelsätze für Kinder und Jugendliche neu zu berechnen und zu erhöhen.
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