Von Cordula Orphal, 30.03.09, 20:18h
Bei den Zwangseinweisungen seien Menschen aus dem Ausland überproportional vertreten, unterrepräsentiert dagegen in präventiven Angeboten, in ambulanter medizinischer und psychotherapeutischer Behandlung, bei Beratungsstellen. Das mag auch an der Tabuisierung der Krankheiten liegen, sei aber auch ein Zeichen fehlender Integration. Etwa 11,6 Prozent der Einwohner des Rheinlands haben einen ausländischen Pass, so die AWO; rechnet man die eingebürgerten Menschen der zweiten und dritten Generation aus Gastarbeiter-, Flüchtlings- und Aussiedlerfamilien hinzu, haben knapp 30 Prozent der Bevölkerung einen so genannten Migrationshintergrund.
Verhext und verflucht - das andere Verständnis psychischer Krankheiten sollten die Fachleute nicht so einfach vom Tisch wischen, sondern respektieren, sagt Didzgalvyte, die aus Litauen stammt. Das ist nur ein Baustein, der zu einer größeren Sensibilität im Umgang miteinander führen soll, Thema der Auftaktveranstaltung mit 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der sieben Sozialpsychiatrischen Zentren (SPZ) im Rhein-Sieg-Kreis, Bonn und Kreis Euskirchen. Weitere Informationstage sollen folgen, aber auch Treffen mit Migrantenvereinen und -verbänden, um Kontakte zu knüpfen und Vertrauen zu schaffen. Zu hoch sei sonst, trotz aller Faltblätter in verschiedenen Sprachen, die Schwelle zu den SPZ, so Ochel.
Die SPKom, die vom Landschaftsverband Rheinland finanziert wird und ihren Sitz in Eitorf hat (0 22 43 / 8 26 02), vernetzt alle Angebote, ist Ansprechpartner vor allem für die Multiplikatoren und hilft mit vielfältigen Informationen. Didzgalvyte: „Wer wissen möchte, wo es eine russischsprachige Psychotherapeutin gibt, der ist bei uns richtig.“
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