Von HANNA KLOUTH, 07.04.09, 09:06h
Und so ersteigerten die aktiven Junggesellen des Hockenbroicher Junggesellenvereins 1709 e.V. Kirchheim am Wochenende alle ansässigen ledigen Mädchen über 16 Jahren. 170 Mädels galt es zu versteigern - es lag also eine lange Nacht vor den Junggesellen.
Maikönigin wurde das Mädchen, für das die Jungs das meiste Geld boten. Eine Stärkung zwischendurch sorgte dafür, dass die Jungs durchhielten und erst nach Hause gingen, als auch die letzte Dame unter den Hammer gekommen war. Auktionator Marco Steffes schrie sich die Seele aus dem Leib, als er die leeve Jungjeselle zum Bieten animierte. Nacheinander wurden die Namen in den Raum gerufen und von Steffes aufgenommen. Immer wieder schlug er mit seinem Luremmel, einem Holzstab, auf den Tisch auf dem er stand. Eine Methode, um die Jungs wieder auf das Wesentliche aufmerksam zu machen, denn die jungen Männer verloren sich im Laufe des Abends gerne in Vereinsliedern wie dem Liedsche op der Stievel.
Ostersonntag klopfen
Junggesellen an die Türen
Der Stievel scheint eines der wichtigsten Utensilien des Vereins zu sein. Zwei Liter frisch gezapftes Bier passen in den Glasstiefel. Aber es will gelernt sein, den Stiefel anzusetzen, denn selbst beim Trinken gibt es nach alter Tradition ein Ritual. Stievel anklopfen, ansetzen, trinken, abklopfen, weiter geben. Und so drehte der Stiefel während des langen Abends viele Runden um den Tisch.
Wird der Stiefel geleert, musste selbst der Auktionator schon mal unterbrochen werden, um Gelegenheit zum Anfeuern zu haben. Marco Steffes verstummte jedoch nicht lange. Schnell hieß es wieder: Zum Ersten, zum Zweiten uuuuund Knubbel - wieder wurde ein Mädchen ersteigert und kam in den Knubbel. Legen die versteigerten Dorfmädels Wert auf einen Maibaum, sollten sie an Ostersonntag die Tür für die Junggesellen öffnen, denn diese gehen an diesem Feiertag Eiersammeln. Die Ersteigerte wird von ihrem Gönner zum alljährlichen Maiball eingeladen. Besiegelt wird dies mit einem kleinen Tänzchen. Die Junggesellen ziehen weiter - zum nächsten Mädchen. Und entsprechend der 300-jährigen Tradition erhalten die Mädels, die Ostersonntag die Tür für die Männer öffnen, zu Pfingsten einen schmucken Maibaum. Am Tag des eigentlichen Maibaum-Aufstellens, dem 1. Mai, bewachen die Jungs des Hockenbroicher Junggesellenvereins lediglich ihr Revier in Kirchheim. Sollte es ein auswärtiger Junggeselle seiner Herzensdame einen Maibaum setzen, heißt es zahlen - oder der Baum wird sofort wieder demontiert.
Dieses Jahr haben die Junggesellen besonders viel vor, feiert der Verein doch sein 300-jähriges Bestehen mit einem großen Festzug, zu dem die Maikönigspaare der letzten 60 Jahre geladen wurden.
Apropos: Maikönigin wurde Sandra Linden, die ihrem Maikönig Robert Funk - dem Jubiläum gebührend - stolze 1709 Euro wert war. Wobei der Maikönig nur zehn Prozent der Summe zahlen muss.
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