Von MARGRET KLOSE, 18.04.09, 07:18h
BORNHEIM. Lothar und Cordula Müller sind von den LVR-Plänen nicht begeistert. Schon in drei bis vier Jahren könnte der Unterricht für Sprachbehinderte in Bornheim beginnen. Die 180 Kinder sollen aus der ganzen Region nach Bornheim kommen, hätten also bis zu einer Stunde Anfahrt. Cordula Müller, die selber einen neunjährigen geistig behinderten Sohn hat, hält nicht nur die lange Anreise für die Kinder unzumutbar. Viel sinnvoller fände sie es, wenn der LVR das Geld in integrative Maßnahmen investieren würden, damit behinderte und nichtbehinderte Kinder miteinander heimatnah unterrichtet werden könnten.
Vor etwa eineinhalb Jahren haben sich die Eheleute Müller mit Gleichgesinnten zusammen getan und die Bürgerinitiative Für gemeinsamen Unterricht" gegründet. Inzwischen haben sich mehr als 20 Eltern ihrer Gruppe angeschlossen. Denn bedenklich schwach findet Cordula Müller das schulische Integrationsangebot im Stadtgebiet. In nur zwei Kindergärten - Roisdorf und Sechtem - ist ein Miteinander von behinderten und nicht behinderten Kindern möglich. Muss das Kind in die Schule, dann bleibt nur die Grundschule Hersel, in der zehn behinderte Kinder verteilt auf zehn Klassen einen Platz erhalten haben. Eine weiterführende Schule mit integrativen Angeboten gibt es in Bornheim überhaupt noch nicht, kritisiert Müller.
Nicht in Bornheim, sondern in Heimerzheim haben die Eheleute Müller schließlich für ihren behinderten Sohn Tom einen Platz in einem integrativen Kindergarten bekommen. Viel Mühe haben sie aufgewendet, um ihn anschließend als Mertener in Hersel einzuschulen. Seither fährt Cordula Müller ihren Sohn Tom und seinen nicht behinderten Zwillingsbruder Jens jeden Morgen selbst nach Hersel. Aber der Aufwand lohnt: Tom hat eine Schulbegleitung, die ihm während des Unterrichts weiter hilft, wenn er alleine nicht weiter kommt. Tom geht inzwischen in die zweite Klasse. Er kann etwas lesen, schreiben und rechnen", berichtet die Mutter. Das Tempo seiner Fortschritte bestimme er selbst, orientiere sich dabei allerdings an den Klassenbesten. Tom sei von seinen Klassenkameraden akzeptiert und entwickele sich prächtig.
Zusammen mit dem Verein Mittendrin Köln" und dem Verein Gemeinsam Leben - Gemeinsam Lernen Bonn" hat die Bornheimer Initiative auch schon bei Sozialdezernent Marcus Schnapka im Rathaus vorgesprochen, um den Bau der Förderschule zu verhindern. Wir haben auch alternative Vorschläge vorgetragen, etwa den Bau eines pädagogischen Zentrums, in dem Schulungen für Lehrer in Sonderpädagogik stattfinden könnten, so Müller.
Markus Schnapka sieht indes in der Ansiedlung der Förderschule einen Gewinn für Bornheim, der die Stadt als Bildungslandschaft unterstützt". Gemeinsam mit der Landesregierung und dem LVR müsse nun überlegt werden, wie die Schule auch für den gemeinsamen Unterricht von Nutzen sein kann. Dazu müsste das Land allerdings auch die personellen und fachlichen Voraussetzungen bewilligen, so Schnapka. Schnapkas Ziel, und da zieht er mit der Initiative Gemeinsamer Unterricht" an einem Strang, ist ein besseres und integratives Schulsystem in Bornheim".
Auch der Landschaftsverband stellt die Förderung von integrativen Maßnahmen in allgemeinen Schulen in Aussicht. Allerdings, so betont Christoph Göller, Pressereferent des LVR, haben sich die Eltern der bereits bestehenden Schulen - der LVR unterhält vier Förderschulen mit Schwerpunkt Sprache in der Zielgruppe Klasse 5 bis zum Hauptschulabschluss - dringend für den Erhalt der Förderschulen ausgesprochen. Eine so spezielle Förderung ist in Regelschulen gar nicht möglich", so Göller. Dem LVR gehe es um die Balance, es müsse beide Angebote geben. Denn man habe auch Kinder erlebt, die nach einem Wechsel zur Regelschule im Klassenverband gar nicht zurecht kamen und zurück zur Förderschule wollten.
Welche Ziele der LVR in Bornheim verfolgt, welche Kooperationen innerhalb der bestehenden Schullandschaft sinnvoll und möglich sind - das und mehr möchte die Bornheimer CDU-Ratsfraktion am besten in einer öffentlichen Informationsveranstaltung zur Förderschule geklärt wissen. Die Zielsetzung der geplanten Förderschule kommt dabei, nach den bislang vorliegenden Informationen, dem Ziel der Verbundschule in Bornheim-Uedorf, die sich auch als Kompetenzzentrum entwickeln möchte, nahe beziehungsweise deckt sich, erklärt Fraktionschef Hans Dieter Wirtz. Allerdings seien alle anderen Auswirkungen der neuen Schule und des Schulstandortes noch nicht deutlich geworden.
Unterdessen suchen Cordula und Lothar Müller schon nach einer integrativen weiterführenden Schule im Stadtgebiet Bornheim. Nach den Osterferien stehen Gespräche mit der Europaschule an.
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Rundschau zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige
22. April 2012,
E-Werk Köln
Kfm. Umschulungen + Seminare in Köln
Holzspielzeug gesucht, gefunden, geliebt