Von UTA KRISTINA MAUL, 24.04.09, 07:18h
Zwar ist er schon der 142. in der Geschichte der Alma Mater, aber der erste, der auf der Grundlage des neuen Hochschulfreiheitsgesetzes gewählt wurde. Seine Amtszeit beträgt - auch das ist neu - sechs statt bislang vier Jahre. Der Vorsitzende des Hochschulrates, Jörg Haas, überreichte Fohrmann in der voll besetzten Uni-Aula die Ernennungsurkunde; dessen Amtsvorgänger, Professor Matthias Winiger, hing dem 55-Jährigen die Rektoratskette um und vereidigte den Kollegen, der anschließend die vier Prorektoren proklamierte.
Fohrmanns Bekenntnis zur Volluniversität, deren Kommunikations- und Organisationsformen von Wissenschaft und Lehre seiner Ansicht nach so gestaltet werden sollten, dass Eigenaktivität stärker als bislang gefördert, Vielfalt produktiv gemacht und dadurch Neues gedacht werden kann, fand mehrfach den Beifall Hunderter Zuhörer - unter ihnen neben Professoren und Studenten auch Vertreter von Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kirchen und der Stadt.
Und einer, dem so mancher (hoffnungsvolle) Seitenblick der Redner galt: der nordrhein-westfälische Innovationsminister Professor Andreas Pinkwart. Einst selbst Student der Bonner Uni - also ein Alumnus -, war sein gestriger Besuch ein wenig wie nach Hause kommen. Bei Winiger, in dessen Amtsperiode nicht nur das neue Hochschulgesetz, sondern auch die Einführung von Studiengebühren, der Bologna-Prozess mit der Umstellung von Studiengängen auf Bachelor und Master sowie die Exzellenzinitiative von Bund und Ländern fielen, bedankte sich Pinkwart dafür, die Universität in anspruchsvollen Zeiten auf Erfolgskurs gehalten zu haben: Sie gehört unzweifelhaft zu den renommiertesten Universitäten im Bundesgebiet.
So habe sich Bonn in einem harten Wettbewerb um das Demenzforschungszentrum durchgesetzt und sehr beachtliche Mitbewerber hinter sich gelassen. Als Erfolg wertete der Minister auch das Exzellenzcluster (Mathematik) und die beiden Graduiertenschulen (Ökonomie und Physik), mit denen Bonn die erste Runde des Exzellenzwettbewerbes verließ - auch wenn es für den mit erheblichen Finanzspritzen verbundenen Titel Elite-Universität dann doch nicht reichte, wie Winiger selbst erinnerte.
Die Chancen für einen Erfolg in der nächsten Wettbewerbsrunde seien sicher gut, ermunterte Pinkwart Winigers Nachfolger Fohrmann. Und sicherte ihm unter dem Beifall der Zuhörer ausdrücklich seine Unterstützung zu für dessen Plan, an der Uni Bonn die Lehramtsausbildung wieder aufzunehmen. Ein Geschenk hatte der Minister auch im Gepäck: Ab dem Wintersemester gebe es landesweit 1200 neue Stipendien; von den je 300 Euro im Monat übernehme das Land 50 Prozent, der Rest müsse privat finanziert werden. Als Alumnus werde er, Pinkwart, einen der 66 Stipendiaten, die laut Landesschlüssel Bonn zustehen, privat fördern in der Hoffnung, Nachahmer zu finden.
Winiger selbst ließ die Ereignisse seiner Amtszeit Revue passieren und appellierte mit Seitenblick auf Pinkwart an das ganze Land, mit gleicher Entschiedenheit Mittel für Bildung, Wissenschaft und Innovation bereitzustellen, wie dies für das Abwracken von Autos in bemerkenswerter Entscheidungsfreude geschehen sei. Seinem Nachfolger gab er mit auf den Weg, dass der Fächerreichtum der Bonner Uni als klug fokussierte Vielfalt ungeahnte Synergien auslösen könne.
Dass Fohrmann auch auf die Unterstützung der Studenten bauen kann, versicherte der neue AStA-Vorsitzende Wolfgang Schoop (RCDS). Zwar gebe es große Probleme etwa bei Bachelor und Master, mit überflüssigen Anwesenheitspflichten, unflexiblen Studienordnungen oder mangelnder Transparenz der Studienbeitragsordnung. Doch wüssten vor allem jene Studenten, die Fohrmann aus Seminaren und Vorlesungen oder seiner Zeit als Dekan der Philosophischen Fakultät kennen, dass er genau der Richtige sei, um auch die Lehre in Bonn zur Exzellenz zu führen.
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