Erstellt 24.04.09, 22:35h
Barack Obama gilt als brillanter Rhetoriker, manche finden seine Auftritte fast magisch. Wie schafft er das?
Er hat einfach eine unheimliche Präsenz, wenn er spricht. Fast druckreif, einfache Sätze, meist sind sie sechs bis acht Wörter lang. Das ist die eine Seite, die Rhetorik. Dazu kommt ein Faktor, den ich Echtheit nennen würde. Er bringt unheimlich viel von sich ein, seinen Großvater in Kenia, das Aufwachsen in bescheidenen Verhältnissen, das verknüpft er mit politischen Botschaften. So lässt er Emotionen entstehen.
Der erlebbare Präsident. Macht das sein Charisma aus?
Ja, er schafft eine ungeheure Nähe in seinen Auftritten. Er lässt dabei auch gerne das Rednerpult weg, alles was trennend wirken könnte.
Wie beurteilen Sie die Gestik? Manchmal hat man den Eindruck, er setzt sie ein, wie ein Mediziner sein Arbeitsgerät.
Das ist alles sehr klar, mit einer enormen Präzision. Die Hände wissen einfach, was sie tun, meist bewegen sie sich auf Bauchhöhe oder beim Herzen. Sie hängen nicht herum. Seine Lieblingsgeste ist die offene Hand, mit der er sagt: Ich lade ein zum Dialog, lasst es uns gemeinsam schaffen. Aber er hat auch schon die Faust eingesetzt.
Sie haben auch die Körpersprache von Gerhard Schröder und Edmund Stoiber im Wahlkampf untersucht. Was unterscheidet Barack Obama von unseren Politikern?
Es gibt einen anderen Politikstil, weniger privat, etwas distanzierter. Frau Merkel würde ausgelacht, wenn sie von ihrer Oma berichten würde. Aber die Inszenierung von Wahlkämpfen nimmt zu, ich will da gar nichts ausschließen. Nur ist weit und breit kein Obama zu sehen.
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22. April 2012,
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