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Tagesthema vom 30. April

Grippe-Virus „nicht sehr aggressiv“

Von Ralph Kohkemper und Anna Maria Beekes, 29.04.09, 21:50h, aktualisiert 04.05.09, 09:53h

Laut Medizinern ist das aus Mexiko stammende Schweinegrippe-Virus nicht gefährlicher als übliche Erreger. Das Gesundheitsministerium des nordamerikanischen Landes hat unterdessen die Todeszahl massiv nach unten korrigiert.

Grippe in Mexiko
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Ärzte eines Marine-Krankenhauses stehen im Flur der Klinik in Mexiko-Stadt. (Bild: dpa)
Grippe in Mexiko
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Ärzte eines Marine-Krankenhauses stehen im Flur der Klinik in Mexiko-Stadt. (Bild: dpa)
Keine Panik. Die Bundesregierung sieht sich genötigt, vor Hysterie zu warnen. Dafür bestehe kein Anlass. Doch nicht überall aber scheint in diesen Tagen Besonnenheit angezeigt zu sein. Der Erreger der Schweinegrippe wird da schon mal zum wütenden Todesvirus. Von solchen Szenarien ist man allerdings offenbar weit entfernt. Selbst in Mexiko, dem mutmaßlichen Ursprungsland der Epidemie. 159 Menschen seien dort an dem Virus gestorben, hieß es zunächst. Jetzt aber korrigiert Mexikos Gesundheitsminister José Àngel Córdova die Zahlen. Nun ist nur noch von 49 Patienten die Rede, die mit dem Virus infiziert sind. Von ihnen seien bisher sieben gestorben.

Nicht viele Fälle für Mega-Millionenstadt

Ist der Schweinegrippe-Virus womöglich weniger aggressiv als zunächst befürchtet? Virologen sehen dafür erste Hinweise. Zunächst vermutete 2.500 Infektionen in einer Stadt wie Mexico-City mit 25 Millionen Einwohnern sprächen nicht gerade für eine rasante Verbreitung, meint Herbert Pfister, Direktor des Instituts für Virologie an der Kölner Uniklinik. „Nur ein Prozent der Infektionen bei der Schweinegrippe sind lebensgefährlich“, sagt der Immunologe Stefan Kaufmann, Gründungsmitglied des Max-Planck-Instituts. Beim Erreger der Vogelgrippe, an dem weltweit bereits 251 Menschen gestorben sind, liege die Todesrate bei 30 bis 50 Prozent. Und der Gießener Virologe Stephan Pleschka erklärt: „Es sieht derzeit nicht so aus, dass das Virus sehr aggressiv ist.“

Zudem wirken die gängigen Präparate wie das antivirale Tamiflu. Die drei deutschen Mexiko-Urlauber - eine 37-Jährige und ein 39-Jähriger aus Bayern sowie eine 22-Jährige aus Hamburg -, bei denen das Virus festgestellt wurde, sind nach Ärzteangaben bereits wieder auf dem Weg der Besserung. Die 37-Jährige sei gar schon beschwerdefrei, und ihr Ehemann habe sich nicht angesteckt, erläuterte der Präsident des bayerischen Landesamtes für Gesundheit, Andreas Zapf. Auch bei weiteren Menschen im Umfeld der beiden gebe es bisher keine Hinweise auf Ansteckung.

Entwarnung gibt Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt freilich nicht. Die Situation sei weiter ein Grund zur Sorge: „Niemand kann sagen, wie sich das Virus weiterentwickelt.“ Durch frühzeitiges Erkennen müsse jetzt ein Ausbreiten verhindert werden. Das Land NRW will daher in jedes Flugzeug, das aus Mexiko und den USA kommt - solche Direktflüge landen in NRW nur in Düsseldorf - nun einen Arzt schicken. Der soll aber vor allem informieren, nur im Verdachtsfall untersuchen. Reihenfiebermessungen von Passagieren seien derzeit nicht vorsehen, heißt es.

Auch "normale" Grippe kann gefährlich sein

Pfister hält den Schweinegrippe-Erreger sowieso für „nicht gefährlicher als jedes andere Grippevirus“. Ungefährlich sind aber auch herkömmliche Grippe-Viren nicht. Das Robert-Koch-Institut (RKI) schätzt, dass an der saisonalen Grippe allein in Deutschland jährlich 5.000 bis 20.000 Menschen sterben. Dabei erliegen die Betroffenen zumeist nicht dem Erreger selbst. Durch den Infekt ist das Immunsystem oft geschwächt und hat dann einer bakteriellen Entzündung, wie beispielsweise der Lunge, nicht mehr viel entgegenzusetzen.

Für viele Formen dieser saisonalen Grippe gibt es Impfstoffe. Gegen die Schweinegrippe, für die es frühestens in drei Monaten einen geben soll, schützen sie nicht. Allerdings könnte bei geimpften Menschen laut RKI eine Infektion schwächer verlaufen. Denn das Schweinegrippe-Virus ist eine Variante eines H1N1-Erregers. Und in der abgelaufenen Influenzasaison entfielen mehr als die Hälfte aller Erkrankungen hierzulande auf eben diesen Erregertyp. Auch das, so heißt es beim RKI, lasse hoffen.



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