Von Heidrun Wirth, 01.05.09, 20:26h
Das Arp Museum in Rolandseck setzt nach seiner zähen Verwaltung von Mängeln nun auf Sensation, indem es den skandalumwitterten Magier eingeladen hat. Nette kleine Erschießungsszene (aus Bronze) auf der grünen Wiese, während sich im untersten Grund unter dem Fahrstuhl die schneeweißen Skelette sammeln, Abgesang auf die „Demokratenfamilie“, denn die Demokratie lehnt der neue Heilsverkünder im gleichen Zug ab wie Faschismus, Diktatur und alle Parteien. Stimmt nicht ganz, eine Diktatur wünscht er nämlich sehnlichst herbei, die „Diktatur der Kunst“, wohlgemerkt nicht aber die der Künstler.
Und die gibt es natürlich nur im „Erzstaat Atlantisis“ mit 210 Arbeiten, darunter 53 Bronzen, 40 Gemälden, „Klangwellen“ im Fahrstuhl, Videos, Bühneneinbauten und Künstlerbüchern (kuratiert von Daniel J. Schreiber).
HitlerstalinnietzscheÖffnet sich der Fahrstuhl, wird man empfangen vom Meister des „neurotischen Realismus“ selbst, personifiziert als Aristokratenkiller Saint Just, eine Bronze in Lebensgröße, die Hand zum Hitlergruß erhoben. Ein Stück weiter Napoleon, ein „Stalinnietzsche“-Kopf oder ein Zeus, alles in klumpig aufgeflockter Manier in Bronze gegossen. Der 1970 in Tokio geborene und ohne Vater (aber mit Mutter!) nach Deutschland Zurückgekehrte liegt wohl immer noch im Clinch mit einem durch die Vaterfigur geprägten „Über-Ich“. Und dazu zählt schließlich die gesamte Kultur. „Vampirisis mit Lollysäugling“ oder auch „Maul auf, Lolly rein, Revolution raus“ erzählt da etwas von einem embryonalen Zurückwünschen, das man dem kraftvoll vitalen Mann mit der dunklen Brille, den langen schwarzen Locken, dem kleinen Schnäuzer und dem neckischen Ziegenbärtchen gar nicht zutraut. Schon im Outfit „verwurschteln“ sich die Fragmente, und wenn der selbst ernannte „Erzkünstler“ charismatischen Blödsinn redet, beschwört er selige Fluxuszeiten.
Als „Ameise“ bezeichnet er sich gern. „Ich muss eben loslegen und bin dankbar, dass mir die Weltformel geschenkt wurde in Form von Quadrat, Kreis und Linie.“ Da gibt es allerdings drei schwarz gemalte Unheimlichkeiten, die an Antonio Saura erinnern, daneben unübersichtlich Bunt-Phantastisches wie x-mal übersprayte Wände. Wir wollen seine Mutter nicht vergessen, die für den Schulversager einst sogar die Zeichnungen für den Zeichenunterricht angefertigt hat, und die dem Sohn, der gegen alle Ausbildungsversuche resistent war, zum 22. (!) Geburtstag einen Block und Farbstifte geschenkt hat, Startschuss für einen zur Zeit höchst gefragten Künstler. Die Mutter sagte auch: „Bis vor sechs Jahren glaubte mein Sohn noch an den Osterhasen.“
Und der Sohn sagt, wenn er Mama nicht mehr hätte, ja, dann würden schreckliche Dinge passieren. Mutter Brigitte Meese wird übrigens am 19. Mai (16 Uhr) Geschichten von Atlantis vorlesen.
Bis 30.8.,Di-So und an Feiertagen 11-18 Uhr. Hans-Arp-Allee 1, Remagen, Katalog in Vorbereitung.
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22. April 2012,
E-Werk Köln