Von Norbert Wallet, 04.05.09, 09:04h
Man hat den Eindruck, die Maikrawalle folgen einem hingenommenen Ritual. Im Kern lässt sich dies in dem Satz fassen: Die sind eben etwas anders in Kreuzberg, das muss man verstehen. So dürfen schon mal Ex-Terroristen auf Mai-Festen reden, Grafittis im Kiez zur Gewalt anstacheln. Seit Monaten machen sich die Chaoten einen Spaß daraus, Autos in Brand zu stecken, ohne dass die Politik den Willen erkennen lässt, ihnen das Handwerk zu legen. Der Staat hat hier das Gewaltmonopol teilweise aufgegeben.
In skandalös verharmlosender Weise spricht Innensenator Ehrhart Körting (SPD) von „Grenzüberschreitungen“. Und er weckt Verständnis, wenn er von „Ungerechtigkeiten“ spricht, weil sich gewisse Leute „die Taschen vollstopfen“, und das senke eben die Hemmschwelle. Das ist so ziemlich das letzte, was ein Innensenator vermitteln sollte: Verständnis für die Gewalttäter. Dass er auch noch zu frauenverachtenden Vergleichen greift, passt da nur ins Bild eines Politiker, der wohl keine Null-Toleranz-Strategie mehr verfolgen wird.
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Rundschau zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige